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Peru – Cusco und Machu Picchu

Cusco, das frühere Machtzentrum der Inkas, ist auch heute noch eine lebendige Stadt mit ca. 350.000 Einwohnern und aufgrund seiner schmucken alten Häuser, seiner Geschichte, der vielen Inkaruinen in direkter Umgebung sowie der relativen Nähe zu Machu Picchu eines der Hauptziele jedes Peru-Reiseden. Damit ist  der Name Cusco – was auf Quechua, der alten Inkasprache, so viel wie „Nabel der Welt“ bedeutet – auch heute noch ansatzweise passend: Zumindest der touristische Nabel Perus scheint Cusco definitiv zu sein. Im Vorfeld haben wir uns Cusco, basierend auf diesen Informationen, daher als riesige Touristenfalle ausgemalt, mit ganz viel „Hola Amigos“, überteuerten Hotelzimmern und zahlreichen Versuchen, uns an jeder Ecke um ein paar Soles zu erleichtern. Touristisch ist es hier – trotz Nebensaison – tatsächlich. Sehr. Dennoch, in dieser Stadt in den Anden auf luftigen 3.700 Metern kann man gar nicht anders, als sich wohlzufühlen – es ist nämlich ausgesprochen schön hier!

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Cuscos bezaubernde Altstadt. Viele der Gebäude sind auf alten Inkamauern erbaut.

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Alte Inkatempel, prunkvolle Kirchen, Museen, versteckte Innenhöfe... In Cusco kann man viele Tage mit Sightseeing verbringen, ohne sich zu langweilen - und das taten wir auch.

Wir blieben 4 Tage in Cusco und damit mal wieder länger als geplant, einerseits um unser „Andenken“ an Chachapoyas – eine sich hartnäckig haltende Verkühlung – endgültig loszuwerden, andererseits wegen der zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt und ihrer Umgebung.

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Sacsayhuaman, Puka Pukara, Quenquo und Tambomachay - vier Inkaruinen in Cuscos direkter Umgebung

Die alten Inka-Ruinen in und um Cusco waren schon sehr beeindruckend, doch wie wohl praktisch alle anderen Touristen zog es uns über kurz oder lang nach Machu Picchu, was in dieser Hinsicht die Krönung sein sollte.

Einziges Problem: Nicht nur der Eintrittspreis für Machu Picchu ist mit gut 120 Soles (knapp 40 EUR) gesalzen, sondern auch rund um die Ruinenstadt hat sich eine findige Abzockermaschinerie entwickelt, mittels der man versucht, noch wesentlich mehr aus den meist zahlungskräftigen und -willigen Besuchern herauszuholen. So kann man Aguas Calientes („Machu Picchu Pueblo“) offiziell nur mit einem stark überteuerten Touristenzug erreichen, der einen dreistelligen Eurobetrag ausmacht – normale Zugtickets, wie sie Einheimische günstig erwerben können, darf man als Ausländer nicht verwenden, und Straßenanschluss gibt es angeblich keinen. Von dort nach Machu Picchu selbst führen dann Busse, die für die 25-minütige Fahrt mehr als 10 Mal so viel, wie für vergleichbare Strecken verlangen. Und dann ist da natürlich das Dorf Aguas Calientes selbst, wo mit völlig abgehobenen Preisen versucht wird, ebenfalls möglichst viel vom Kuchen abzubekommen…

Nun könnte man sich darüber maßlos ärgern und in den sauren Apfel beißen oder aber es als Herausforderung betrachten, sich möglichst wenig abziehen zu lassen – wir entschieden uns für letzteres… Challenge accepted 😉
Mitzubringen war dafür aber ein bisschen Geduld, denn die Anreise in Etappen mit drei lokalen Kleinbussen auf großem Umwege, und dann zu Fuß zweieinhalb Stunden die Bahngleise entlang nach Aguas Calientes gestaltete sich kostengünstig, nahm aber den ganzen Tag in Anspruch, und anstatt uns den bequemen Berg-Bus zu den Ruinen zu gönnen, galt es am nächsten Morgen einen eineinhalbstündigen, äußerst schweißtreibenden Aufstieg zu bewältigen. Das teils im Dunklen, denn wir machten uns schon um 4:15 auf den Weg, um Machu Picchu im Morgenlicht zu erleben.

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Der lange Weg nach Machu Picchu

Als wir völlig verschwitzt und fertig oben ankamen, begaben wir uns zum typischen Aussichtspunkt, frühstückten mitgebrachte Müsliriegel und rasteten ein wenig… Bis sich die Sonne erstmals zeigte und die Nebel sich lichteten – ein sehr ergreifender Moment. Wir schossen die obligatorischen Selfies und nahmen uns dann ausgiebig Zeit, die Ruinen zu erkunden. Unvorstellbar, dass all dies ohne hilfreiche Erfindungen wie dem Rad oder dem Flaschenzug erbaut wurde. Obwohl einzelne Gebäude offizielle Namen haben (Observatorium, Tempel der Sonne, Wachturm etc.), ist die Funktion Machu Picchus bislang nicht eindeutig belegt. Die Theorien reichen von einer bis zu 1.000 Einwohnern umfassenden Stadt, über eine Sommerresidenz des Inkakönigs bis hin zu rein religiösen Zwecken. Die Tatsache, dass die Ruinen vergleichsweise gut erhalten sind, ist nicht nur ihrer abgeschiedenen Lage hoch oben auf einem Bergrücken zu verdanken, sondern auch dem glücklichen Umstand, dass den Spaniern bei ihrer Eroberung Machu Picchu komplett entgangen war – erst Anfang des 20. Jahrhundert wurde es offiziell wiederentdeckt (der lokalen Bevölkerung war Machu Picchu aber natürlich bekannt).

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Was auch immer die Inkas mit Machu Picchu bezweckten – wir sind froh, die mühevolle Anreise auf uns genommen zu haben, denn die Ruinen mit eigenen Augen zu sehen war für uns ein absoluter Höhepunkt Perus!

Peru – Huaraz und Lima

Teil 1: Huaraz

Was sich in Chachapoyas schon abgezeichnet hatte, bestätigte sich in Huaraz endgültig: Trotz unseres schwierigen Starts finden wir Peru mittlerweile großartig – vor allem in den Bergen begeistern uns Land und Leute.

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Auf den Straßen Huaraz verkaufen Indigenas in bunten Trachten säckeweise Meerschweinchen (Delikatesse!) und selbstgestrickte Waren.

Huaraz (auf 3.100 Metern) ist der Hauptort des größten Gebirgszuges ganz Amerikas, der gletscherübersähten „Cordillera Blanca“. Fünfzig ihrer Berge sind über 5.700 Meter hoch, der höchste von ihnen ist der knapp 6.800 Meter-Riese „Huascaran“ (damit ist er auch der höchste Gipfel Perus, nicht aber ganz Südamerikas – zu diesem werden wir erst in Argentinien vordringen…).

Nach entsprechender Recherche vor Ort fiel uns hier gleich wieder das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Bedürfnisse auf:  Einheimische und Tour-Anbieter möchten – verständlicherweise – dass Touristen nur mit Guide und am besten in organisierten Gruppen losziehen (und damit Arbeitsplätze schaffen und mehr Geld in der Region lassen), wir wollen das genaue Gegenteil. Aus diesem Grund wird einem, wie wir festgestellt haben, selbstorganisiertes Trekken oft nicht gerade leicht gemacht, im schlimmsten Fall sogar verboten – so wie theoretisch auch in dem Huaraz umgebenden Nationalpark. In der Praxis wird dieses Verbot jedoch nicht kontrolliert, lesen wir im Internet, und hoffen sehr, dass das auch noch der aktuellste Stand ist…

Diesmal gaben wir also nicht so schnell klein bei wie in Chachapoyas: Es gelang uns mit etwas Hartnäckigkeit, der Touristeninformation und einem Tour-Anbieter ausreichend Informationen für zwei Akklimatisierungstreks auf eigene Faust aus der Nase zu ziehen. Yippie, endlich also wieder alleine durch die Berge streifen!

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In der Cordillera Negra, auf dem Weg zur Laguna Vilcacocha. In der Ferne sieht man die Gipfel der Cordillera Blanca.

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Laguna Vilcacocha

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Huaraz' Friedhof mit schönem Blick über die Stadt

Nach diesen zwei kleinen Wanderungen fühlten wir uns bereit, den Aufstieg zur Laguna 69 zu wagen – einem weiteren Bergsee, dieser jedoch auf respektablen 4.650 Metern. Von dieser sehr schönen Route hatten wir zuvor manch entmutigende Geschichten von anderen Wanderern gelesen, die dabei entweder knapp oder völlig gescheitert waren. Da wir uns wie bereits öfters erwähnt eher zu den Tränen unter den Trekkern zählen, waren wir einigermaßen überrascht, als nach nur zweieinhalb Stunden teils steilem Aufstieg bereits die wunderschöne, gletschereiszuckerlblaue Lagune vor uns auftauchte – normalerweise kennen wir nur das umgekehrte Erlebnis und der Satz „Es hört nie auf… es geht immer so weiter“ gehört bei uns standardmäßig zum Trekken dazu. Anscheinend sind wir für derartige Höhenlagen durch unsere wiederkehrenden, teils langen Aufenthalte in hohen Lagen der Anden schon ganz gut akklimatisiert – und das ist auch gut so, denn wir bleiben mit kurzen Zwischensequenzen vorerst weierhin im Hochland!

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Der Weg...

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...und schließlich das Ziel!

Mit diesem Trek hatten wir sämtliche leistbaren Optionen selbstorganisierten Wanderns ausgeschöpft und machten uns schweren Herzens auf die Weiterreise.

Während der Busfahrt nach Lima zeigte sich die Region nochmals von ihrer schönsten Seite:

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Gut, dass wir diesmal ausnahmsweise nicht den Nachtbus genommen hatten!

Teil 2: Lima

Für Lima nahmen wir uns nur eineinhalb Tage Zeit – viel zu wenig für eine 8-Millionen-Stadt, aber ausreichend für ausgiebiges Bummeln durch die Innenstadt.

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Faszinierend fanden wir – wie schon davor in Quito – die an Geisterbahnen erinnernden Inneneinrichtungen der Kirchen:

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...da kann einem schonmal mulmig zumute werden 😉

Wir hatten zuvor diverse Sicherheitswarnungen für Lima gelesen. Zumindest wird in bestimmten Stadtteilen einiges an Aufwand betrieben, damit die reicheren Limeños und wohl auch Touristen unbehelligt Shoppen und anderweitig ihr Geld ausgeben können. Nirgendwo sonst haben wir bisher eine derart hohe Polizei- und Militärpräsenz erlebt – Demonstrationen und Hausräumungen in Wien einmal ausgenommen…

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Wem die vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichen, dem bleibt immer noch die Möglichkeit, sich einzumauern...

Limas Innenstadt gefiel uns insgesamt sehr gut und wir genossen für kurze Zeit die Vorzüge, die eine Großstadt so mit sich bringt (z.B. guten Kaffee und nach fast 2 Monaten mal wieder einen Besuch beim Mc. Donald’s 😀 ). Trotzdem waren wir nach den eineinhalb Tagen froh, dem stetigen Gehupe und der Smogglocke zu entrinnen und wieder in die Berge aufzubrechen. Das nächste Ziel – Cusco – liegt ganze 22 rumpelige Busstunden von der Hauptstadt entfernt… Wir sind gespannt, ob unser Sitzfleisch das unbeschadet übersteht.

Peru – Der Norden

Unser Perubericht muss leider etwas nüchterner beginnen als gewohnt, denn das südliche Nachbarland des wunderschönen Ecuadors empfing uns nicht gerade herzlich: Hunderte Kilometer auf der berühmten Panamericana, durch eintönige Wüste, die über weite Strecken von halbverfallenen Häuserzeilen und Abfall gesäumt ist…

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Hier eine der schöneren Stellen 😉

Trotzdem erhofften wir uns gerade von Perus hohem Norden schöne und interessante Erlebnisse, denn die wenigsten Touristen haben Zeit, bis in diesen Teil des Landes vorzudringen – und verpassen damit ein Gebiet voller archäologischer Stätten aus einer Zeit lange bevor die Inkas fast das gesamte Andengebiet beherrschten.

Teil 1: Chiclayo

Unsere erste Destination, Chiclayo – nicht gerade der Traum einer Stadt. Um die ging es uns zwar überhaupt nicht – unser Lager schlugen wir hier nur auf, um die Umgebung zu erkunden, die zahlreichen Ruinen und Relikte der Mochica-Kultur – dennoch wollte es uns nicht gelingen, uns mit diesem Ort zu arrangieren und nach Besichtigung der einen oder anderen Pyramide suchten wir auch schon das Weite.

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Die Pyramiden von Tucume

Teil 2: Die Chachapoyas-Region

In Chachapoyas atmeten wir erstmal auf: Endlich wieder Landluft statt Großstadtmuff! Das kleine Städtchen überraschte uns zudem mit seiner Sauberkeit, guten Restaurants und günstigen Zimmerpreisen – wir waren bereit, unseren schlechten ersten Eindruck von Peru zu überdenken. Wir sprangen sogar über unseren Schatten und buchten – mangels Ortskenntnis und erwerbbarem Kartenmaterial nicht anders möglich – eine 3-tägige, organisierte Trekkingtour.

Auf die Einfachheit der Unterkünfte und des Essens (Klaus‘ kulinarisches Highlight: Papas con Arroz – Pommes Frites mit Reis!) waren wir vorbereitet und das nahmen wir für die Schönheit und Abgeschiedenheit unserer Route gerne in Kauf. Auch, dass unser Guide krank war, und wir ihn am ersten Tag eigentlich nur zu Gesicht bekamen, wenn er sich als halblebendige Wegmarkierung in die Landschaft legte, soll nicht allzusehr ausgebreitet werden. Dass besagter Guide jedoch auch Sonja mit seinen Bazillen beglückte, aber erst nachdem er unseren Schmerztabletten-Notvorrat aufgefuttert hatte, glich das Preis-Leistungs-Verhältnis an die gebotene Verpflegung an – schwer verdaulich…

Während an Tag 2 also nun frisch erkrankte Sonja und auch der völlig lädierte Guide mangels Wanderfähigkeit von Maultieren den Berg hochgetragen wurden, schleppte sich Klaus 1800 Höhenmeter zu Fuß hinterher – teils im Laufschritt und ohne Wasser, da der Guide (in dessen Satteltaschen sich auch unsere Wasserflaschen befanden) anscheinend nur schnellstmöglich nach Hause wollte.

Am letzten Tag – Sonjas Gesundheitszustand hatte seinen Tiefpunkt erreicht, der Guide schien hingegen wieder am Wege der Besserung zu sein, was Hoffnung auf einen schnellen Krankheitsverlauf aufkommen ließ – besichtigten wir die Überreste der alten Hügelstadt Kuelap. Trotz der widrigen Begleitumstände waren diese großteils noch im Fundzustand belassenen Ruinen unser Höhepunkt Nordperus. Als Hauptstadt der Chachapoyas („Wolkenmenschen“) wohnten zwischen den bis zu 25m hohen Mauern einst ca. 3.000 Menschen.

Anstatt des 3-stündigen Fußmarsches nach Tingo und der anschließenden Weiterreise nach Leymebamba ließen wir uns nach einer ausgiebigen Erkundung der archäologischen Stätte lediglich mit einem Bus zurück nach Chachapoyas bringen, was die einzige Möglichkeit war, weitere Anstrengungen zu vermeiden. Hier wurde erstmal ein paar Tage ein Krankenlager eingerichtet, wobei die Welt aus der Perspektive eines gemütlichen Hotelzimmers mit weichem Bett, Warmwasser und Zugriff auf die umfangreiche Reiseapotheke gleich nicht mehr ganz so schlimm aussah.

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Die Gegend um Chachapoyas ist voll von Überresten einer alten Kultur, die später von den Inkas erobert wurde - auf dem Foto die Sarkophage von Karajia

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Wir wanderten durchs bezaubernde Tal Belén, vorbei an alten Ruinen und durch den Nebelwald

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Kuelap - eine alte Festung der Chachapoyas-Kultur und vom Reiseführer wohl zurecht als "nur übertroffen von Machu Picchu" bezeichnet - war der Höhepunkt des dreitägigen "Treks", den man aufgrund der Krankheitsfälle leider unter Anführungszeichen setzen muss.

Teil 3: Trujillo und Huanchaco

Es dauerte insgesamt trotzdem vier Tage, bis die Bazillenspende des Guides halbwegs überwunden und an eine Weiterreise zu denken war. Wir lagen mittlerweile hoffnungslos hinter unserem Zeitplan und, schlimmer noch, langsam schien uns auch hier die Regenzeit einzuholen. Eine suboptimale Kombination: Diese hätte heuer laut Einheimischen ungewöhnlich früh begonnen, wir hingegen waren zu spät dran… Dies gab schließlich den Ausschlag, dass wir unsere weiteren Pläne für Nordperu fallen ließen und uns stattdessen direkt auf den Weg nach Huaraz machten. Und da wir nach der langen Bettruhe viel Energie hatten, beschlossen wir die lange Strecke zu halbieren, nämlich jeweils nachts Bus zu fahren und dazwischen tagsüber Chan Chan zu besichtigen, die weltweit größte Adobestadt und ebenfalls ein Relikt aus präkolumbischer Zeit, sowie einer in Huanchaco lebenden Freundin einen kurzen Besuch abzustatten.

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Chan Chan - Obwohl nichts als Sand, Sand, Sand schon allein aufgrund seiner Größe beeindruckend

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Huanchaco - hier hätten wir es auch ein paar Tage ausgehalten, aber leider (oder, in Hinblick auf unseren Zeitplan, zum Glück ;-)) war das Busticket nach Huaraz schon gekauft - sonst wären wir wohl auch hier wieder hängen geblieben.

Ecuador – Back to School in Vilcabamba

Vilcabamba ist ein kleines und unbedeutendes Dörfchen im Süden Ecuadors, hat es aber dennoch aufs touristische Radar geschafft. Den ersten Gringo-Boom erlebte Vilcabamba bereits 1955, als der Reader’s Digest von der überdurchschnittlich hohen Anzahl an über 100-Jährigen berichtete. Dies solle am besonders milden, ganzjährig frühlingshaften Klima Vilcabambas liegen, an der gesunden Bergluft oder aber (je nach Quelle) daran, dass Vilcabamba dem Herz der Erde so nah sei. Daraufhin zogen zahlreiche Westler als lebensverlängernde Maßnahme hierher. Obwohl die angeblich hohe Lebenserwartung der Vilcabambeños wissenschaftlichen Studien nicht standhalten konnte – offenbar übertrieben ältere Leute hier bei der Altersangabe gern, ganz nach dem Motto „man ist so alt wie man sich fühlt“ – zieht das Dörfchen nach wie vor ein breites, vor allem ernährungsbewusstes bis äußerst esoterisches Publikum an.

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Dorfidylle im Tal der Langlebigkeit

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Das ganzjährig frühlingshafte Klima garantiert anscheinend eine reiche Maracuja-Ernte - sehr zu unserer Freude.

Auch wir, obwohl weder ersteres noch letzteres, erlagen der Schönheit Vilcabambas und blieben hier ganze 12 Tage – unser bisheriger Rekord in Südamerika! Schuld daran war aber weniger die wohlige Nähe zum Herzen der Erde, sondern das Bestreben, unsere erbärmlichen Spanischkenntnisse hier aufzubessern. Nie wieder wollten wir einen Taxifahrer fragen, ob der Weg sehr Milch sei, oder an einer Hotelrezeption wo wir unser Schwein abstellen könnten. In Vilcabamba gibt es eine Spanischlehrerin, bei der wir pünktlich zum Wiener Schulbeginn unseren Unterricht starteten.

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Von nun an drehte sich also alles um Spanisch. Sogar nachts wachten wir  schweißgebadet auf und ertappten uns beim Übersetzen sinnloser Halbsätze. Leider blieb aber so wenig Zeit und Energie, die schöne Umgebung zu erkunden – nur ein einziges Mal konnten wir uns zu einer Wanderung aufraffen. Ein bisschen Alltag zu leben und die hier zahlreich vorhandenen Hängematten zu genießen war aber nach den intensiven Reisewochen davor ganz schön gut und wichtig.

Mitte September und damit 2 Wochen hinter unserem Masterplan hieß es dann: Nos vamos a Perú – das fünfte Land unserer Reise!

Ecuador – Galápagos

Die Galápagos-Inseln – ein durch Vulkanismus entstandenes, direkt am Äquator gelegenes Archipel ca. 1.000 km westlich der Küste Ecuadors – sind berühmt für ihre außergewöhnliche und streng geschützte Flora und Fauna, darunter zahlreiche endemische Arten: Fast jede zweite Tierart sowie zahlreiche Pflanzen auf dem Archipel gibt es ausschließlich hier. Trotz ihrer Lage weisen die Inseln aufgrund kühler Meeresströmungen (hauptsächlich der Humboldt-Strom) ein gemäßigtes Klima auf.

Für Sonja standen die Galápagos-Inseln seit vielen Jahren sehr weit oben auf der Wunschliste. Schuld daran war die (im Übrigen sehr empfehlenswerte) BBC Dokumentation über das Archipel. Aber es war ein vager, ferner Wunsch, von dem nicht auszugehen war, dass er sich in nächster Zeit erfüllen würde. Als sich Südamerika als eines der Ziele unserer Weltreise herauskristallisierte, war aber klar, dass das nicht ohne einen Abstecher auf die Galapágos-Inseln ablaufen könnte und würde, denn auch Klaus und in weiterer Folge Sabrina waren für den Gedanken nicht allzu schwer zu begeistern.

So also kam es, dass wir am 21.8. tatsächlich auf den Galápagos-Inseln landeten – der vielleicht exklusivsten Destination unseres Reisejahres. Wir wussten, hier würden wir tiefer in die Tasche greifen müssen, aber Dank einiger Tipps und Sonjas unermüdlicher Vorabrecherche war es dann letztendlich nur halb so schlimm.

Es gibt zwei realistische Möglichkeiten, das Archipel zu bereisen:

1) In Form einer mehrtägigen Kreuzfahrt durch den Nationalpark
Diese Möglichkeit wählen die meisten Reisenden. Eine Kreuzfahrt hat den Vorteil, dass sie einen je nach Route (und diese ist essenziell) im besten Fall zu Gebieten bringt, die man selbständig nicht bereisen kann. Die Nachteile einer Kreuzfahrt liegen im happigen Preis und in der Möglichkeit, den Zonk bei den Bootsmitbewohnern zu ziehen. Nirgendwo auf der Welt erlebten wir bisher eine derartige Dichte an Personen, mit denen man keinesfalls viel Zeit auf wenigen Quadratmetern verbringen möchte – daher ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Apropo Risiko: Ist man in Bezug auf Abfahrtszeitpunkt, Dauer und Route einer solchen  Schiffspassage flexibel, so kann man auch hasardieren, und mit ein wenig Geduld und Glück vor Ort einen der vergleichsweise günstigen Last-Minute-Restplätze auf den Kreuzfahrtschiffen ergattern.

2) Auf eigene Faust
Auf diese Art und Weise kann man auf vier bewohnten Inseln übernachten und von dort aus Tagesausflüge unternehmen – dies geht entweder ganz alleine, oder aber über geführte kleine Touren und mit Guides (die leider für die meisten Gebiete des Nationalparks vorgeschrieben sind und für eine Stunde so viel nehmen wie nepalesische Sherpas für eine Woche… 😉 ).

Aus einem Kompromiss zwischen unserem Wunsch, auch einige der entlegenen Plätze zu sehen und unserem üblichen Bestreben, möglichst günstig und unabhängig davon zu kommen, entschieden wir uns für einen gesunden Mix der beiden Varianten. Die kostspielige Kreuzfahrt sollte uns dabei zu jenen Orten führen, die uns als Individualreisende verwehrt blieben, und natürlich musste es ein unschlagbares Restplatz-Angebot sein. Der erste Tag war daher ganz der fieberhaften Jagd nach solchen Plätzen gewidmet. Kein Reisebüro der Insel-Hauptstadt Puerto Ayora wurde dabei ausgelassen, kein Agent verschont, bis zum letzten Leihschnorchel gefeilscht. Dazwischen hektische Diskussion, Vergleich von Schiffen, Routen und Preisen und natürlich immer die begleitende Recherche im auf den Inseln meist nur leidlich funktionierenden Internet.

Als längst die Nacht über die Vulkaninseln hereingebrochen war, lagen zwar alle Nerven blank, aber wir hatten unser Schiff für den nächsten Morgen, wenn auch noch kein Geld, es zu bezahlen. Das geht hier nur in bar und bedurfte mehr der Scheine, als die hiesigen Geldautomaten gewillt waren, auszuspucken, doch dies und die weiteren Strapazen zur Beschaffung der benötigten Mittel sollen nicht weiter interessieren.

Zeitig in der Früh jedenfalls wechselte dann noch mitten in einer dunklen Hintergasse eine gewaltige Geldsumme – Rate Nr. 2 – in die Taschen des – vermutlich Dank Rate 1 – sichtlich stark alkoholisierten Reisebürobetreibers – Name oder Anschrift uns unbekannt und ohne Beleg, aber hier hat man sichtlich noch Handschlagqualität. Nun konnte es losgehen!

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Wir wollten unbedingt in das Gebiet zwischen Fernandina und Isabela, und nicht unnötige Tage in Puerto Ayora verbringen. Somit war diese Route für uns perfekt.

Über diese Kreuzfahrt zu schreiben ist schwierig. Sie war, Restplatz hin oder her, nach wir vor teuer wie die Sünde, und doch jeden Centimo wert. Wir beobachteten in absoluter Einsamkeit seltsame Vögel wie die ulkigen Blaufußtölpel, Fragattenvögel und Stummelkormorane, die ihre Flugfähigkeit eingebüßt hatten. Wir erkundeten die teils karge, oftmals bizarre, aber immer wunderschöne Lavalandschaft von Isabela, Fernandina und Santiago und bewunderten die seltsam anmutende Vegetation. Wir schnorchelten mit unzähligen verspielten und neugierigen Seelöwen, aber auch mit Meerechsen und Galapagos-Pinguinen. Wir entdeckten Prachtexemplare bunter Landleguane und sahen die Fontänen der Wale, die unser Boot begleiteten.
All diese Tiere ließen sich durch unsere Anwesenheit in der Regel überhaupt nicht stören, sodass wir sie ganz aus der Nähe studieren konnten. Ein etwas unaufmerksamer Pinguin krachte während seines Tauchgangs den Fischen hinterher sogar gegen Klaus‘ Tauchmaske. Riesige Wasserschildkröten zogen mit uns durchs Wasser. Finken fraßen uns aus der Hand. Wir fühlten uns wie inmitten der BBC-Doku, die wir zuvor gesehen hatten.

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Das Boot, das uns 5 Tage lang durchs Archipel schipperte

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Unsere erklärten Lieblingstiere - die Seelöwen! Zu unserem großen Glück zu Lande und zu Wasser an jeder Ecke der Inseln anzutreffen. Sehr neugierig, äußerst verspielt und an Land herrlich tolpatschig.

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Meerechsen... oftmals in noch größeren Rudeln, als die Robben anzutreffen. Manchmal bemerkt man die schwarzen Ungetüme erst kurz, bevor man auf sie drauf tritt. Oder danach. Auch im oder unter Wasser anzutreffen und dann nicht ganz so stoisch...

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ein paar weitere Expats: "Sally Crab" - Stummelkomoran - Landleguan - Grüne Meeresschildkröte

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Wir und unsere Mitreisenden - mit denen wir übrigens großes Glück hatten. Ausschließlich nette, entspannte Leute.

Nach der Kreuzfahrt verbrachten wir noch einige schöne Tage auf Santa Cruz und San Cristobal, wo wir unter anderem am Kicker Rock mit unzähligen Haien, die uns SEHR nahe kamen, schnorchelten. Auf San Cristobal mussten wir uns schließlich von Sabrina verabschieden, für die es wieder auf die lange Reise zurück nach Wien ging. Wir blieben noch ein paar Tage und genossen diesen wundervollen Fleck Erde.

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Auch landschaftlich wissen die mitunter bizarr geformten Vulkan-Inseln zu beeindrucken.

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Dabei sieht jede Insel anders aus - von tiefgrün bis lavaschwarz war alles dabei.

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Unseren letzten Ausflug widmen wir den Riesenschildkröten von San Cristobal. (Fast) jede der Galapagos-Inseln beheimatet ihre eigene Art, die sich den speziellen Gegebenheiten dieser Insel angepasst hat. Darwin lässt grüßen...

Für uns waren diese zehn Tage auf dem Galapagos-Archipel eine überwältigende, wundervolle und in höchtem Maße beeindruckende Zeit, die wir nie vergessen werden. Beim Rückflug sind wir beide etwas wehmütig: Wir sind „erst“ seit drei Monaten unterwegs, aber es ist gewiss, dass dies bereits einer der ganz besonderen Höhepunkte  unseres Reisejahres war.
Aber ein Blick in den Südamerika-Reiseführer beruhigt dann wieder: Es kommt vielleicht noch Einiges auf uns zu, was nur in Superlativen beschrieben werden kann…

Ecuador – Mit „el coche“ quer durchs Land

Nach unserer Planungssitzung in Quito hatten wir uns eine ganze Reihe von Orten und Aktivitäten für unsere Zeit nach Puerto Lopez ausgesucht – einen Spaziergang durch Cuencas UNESCO-Weltkulturerbe-Altstadt, Trekken am Quilotoa Circuit, eine Wanderung durch den Cajas Nationalpark, einen Besuch des Amazonasgebiets, eine Zugfahrt zur Teufelsnase… die Liste war wieder einmal viel zu lang, die Anzahl der Tage bis zu unserem Galapagos-Flug im Vergleich dazu äußerst begrenzt. Um uns zumindest einen großen Teil dieser Wünsche zu erfüllen, mieteten wir für gut eine Woche ein Auto. Ecuador erschien uns dafür – als kleines Land mit überschaubaren Distanzen und dazu den billigsten Spritpreisen die wir je gesehen hatten – wie geschaffen, und zu dritt waren die Mietkosten auch gut zu stemmen.

Das Fahren allerdings war nicht ganz so einfach wie gedacht:

1) Die Ecuadorianer selbst fuhren wahlweise mit phlegmatischen 20 km/h und unter völliger Ignoranz der durch diesen Fahrstil behinderten Verkehrsteilnehmer, oder zeigten umgekehrt ein halsbrecherisches Fahrverhalten, das sich durch eine Kombination aus erhöhter Geschwindigkeit, selbstmörderischen Überholmanövern und nächtlichem Fahren ohne Licht und Reflektoren äußerte.

2) Sowohl der schlechte Zustand der Straßen in etwas abgelegeneren Gebieten, als auch ein chronischer Mangel an Wegweisern ließ die Dauer unserer Tagesetappen teilweise gewaltig in die Höhe schnellen. Es vergingen nur wenige Tage, an denen wir uns nicht verfuhren.

Alles in allem fällt unser Resümee aber durchaus positiv aus, denn wir konnten in kurzer Zeit viel sehen und das Freiheitsgefühl genießen, das ein eigenes Fahrzeug so mit sich bringt.

Teil 1: Cuenca und der Cajas Nationalpark

In Cuenca landeten wir, statt wie geplant vor Anbruch der Dunkelheit, erst um 1:30 nachts… Ohne Straßenkarte und Beschilderung hatten wir uns gleich mehrmals verfahren. Wir verbrachten hier zwei Tage mit Sightseeing und einer Wanderung durch die Lagunenlandschaft des ca. 4.000m hoch gelegenen Cajas Nationalpark.

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Es gibt einen bequemen, gut ausgeschilderten Wanderweg durch den Nationalpark...

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...Wir aber versuchten selbst, durch das Labyrinth aus Seen und Hügeln zu navigieren. So wurde aus einer zweistündigen Wanderung eine fünfstündige.

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Auf der Suche nach dem Waldgeist im Polylepis-Wald. Das Rosarote ist er nicht.

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In Cuencas bildhübscher Altstadt

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Teil 2: Puyo und das Amazonas-Gebiet

Da wir es zeitlich nicht schafften, tiefer in den Dschungel vorzudringen, war Puyo, eine Kleinstadt im Randbereich des Amazonas-Gebietes, ein guter Kompromiss.
Wir machten einige kurze Treks in den Dschungel, besuchten einen botanischen Garten und einige Auffangstationen für Tiere, was zu sehr amüsanten Begegnungen mit den dortigen Bewohnern führte – wie unsere Fotos dokumentieren.

Außerdem – sehr dumm! – organisierten wir uns drei Plätzchen für eine „Rafting“-Tour. Günstig war sie ja, aber wohl Sparen am falschen Ort – denn wir zahlten dafür, uns von einem verrückten Guide fast ersäufen zu lassen. Dieser ging fälschlicherweise davon aus, der Spaß am Rafting stünde direkt proportional zu der Zeit, die das Boot verkehrt herum im Fluss trudelt, während dessen Insassen mit nur leidlich funktionstüchtigen Schwimmwesten im eiskalten Wildwasser ums Überleben kämpfen müssen. Und wir hatten in unserer Naivität tatsächlich gedacht, die Ankündigung „This is the EXTREME boat. We’re gonna hit the waves and flip, and flip, and flip…!“ sei nur ein Scherz gewesen… aber nein, der Beste meinte es genau so und brachte das Schlauchboot bei jeder sich bietenden Gelegenheit (und deren gab es viele) zum Kentern. Nach unseren ersten Nahtodes-Erlebnissen in den Stromschnellen des reißenden Flusses war Meuterei die logische Konsequenz…
Unser Feedback, er wäre völlig durchgeknallt, fasste unser Guide am Ende der Tour dann aber als großes Kompliment auf – Besserung ist somit höchst fraglich…

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Auf frischer Tat ertappt... Das Diebesgut rückte er nach viel Schimpfen tatsächlich wieder raus.

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Pippi und ihr Herr Nilsson

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Und sah der Papa von Pippi nicht so ähnlich... aber lassen wir das lieber.

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Die unfreiwilligen EXTREME Rafter, noch etwas blass um die Nasenspitzen...

Teil 3: Am Quilotioa Loop

Nach unseren Dschungelerlebnissen ging es wieder rauf auf 4.000 m. Im Hochland rund um die Laguna Quilotoa erwarteten uns die schlechtesten Schotterpisten Ecuadors, dafür aber atemberaubende Blicke über die schöne Landschaft.

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Blick vom "Hausberg" Isinlivis

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Trekken in dieser Höhenlage kann ein bisschen stürmisch ausfallen

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Ob Schaf, Hund oder Schwein, alles wird geherzt und gestreichelt und der Tollwut gespottet

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Der Kratersee Laguna Quilotoa

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...in dem man sogar Kajakfahren kann

Nach 10 Tagen auf vier Rädern gaben wir in Guayaquil zähneknirschend die Schlüssel unseres kleinen roten Spuckerls zurück, das uns so brav durch ganz Ecuador gebracht hat. Wobei… so rot war es jetzt nicht mehr.

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Nur wenige Stunden später startete schon unser nächstes Abenteuer in Ecuador – ein 10-tägiger (bzw. im Falle von Sabrina 7-tägiger) Aufenthalt auf den Galapágos-Inseln.

Ecuador – Puerto Lopez

Schon die Anreise per Bus nach Puerto Lopez gestaltete sich sehr unterhaltsam und – trotz der relativ langen Dauer von 11h – erstaunlich kurzweilig. Fliegende Händler versorgten uns mit leckeren Häppchen (Mehlspeisen, Gebäck mit Käse, Obst, Chips, live im Bus zubereitete Sorbets, bunte Lollys…) und immer wieder stiegen interessante Originale ein, die für erhoffte Spenden zumeist lautstark ihre Lebensgeschichte erzählten. Manchmal zeigten sie aber auch Zaubertricks, verkauften nach ihren Ansprachen Schokolade oder Schmuck, oder rappten auf Spanisch über ihr hartes Dasein. Die einheimischen Zuseher spendeten und kauften großzügig, an uns hingegen schienen diese Auftritte eher nicht adressiert zu sein – eine willkommene Abwechslung nach den letzten zwei Monaten, in denen wir zumeist Zielscheibe aller Akquise waren.

Puerto Lopez selbst stellte sich als äußerst touristisches Örtchen heraus, aber genau wie alle anderen Besucher waren wir ohnehin nur aus einem Grund hier: um Wale zu sehen, und dann schnell weiterzureisen. Für EUR 18 buchten wir also eine Wale Watching Tour und wurden mit 22 anderen Leuten auf ein kleines Boot gestopft.

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Auf der Hinfahrt passierten wir schöne Felsformationen mit nistenden Blaufußtölpeln.

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Nach einer knappen viertel Stunde zeigte sich dann auch schon der erste Buckelwal und winkte aus einiger Entfernung mit seiner Flosse.

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Dann tauchte er ab und wir warteten gespannt, wo „unser“ Wal wieder auftauchen würde. Plötzlich hob sich laut schnaubend direkt hinter unserem Boot der Buckelwalbuckel aus dem Wasser. Für einen Moment konnten wir den ganzen massigen Körper des bis zu 15m langen Tieres knapp unter der Wasseroberfläche ausmachen. Er zeigte wieder schön seine Flosse und noch bevor wir ihn mit unseren zitternden Händen einigermaßen auf ein Foto brachten, schwamm er auch schon wieder weg.

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Im Laufe des Nachmittags sahen wir noch einige weitere Buckelwale, unter anderem eine Mutter mit Kind, sowie einen Wal der hoch in die Luft sprang und sich dabei in einer Schraube um sich selbst drehte. Nichts davon konnten wir fotografisch festhalten, da Wale wohl zu den undankbarsten Fotomotiven überhaupt zählen.

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Noch eines der besseren Walfotos

Während wir den Ausflug sehr genossen, fühlten sich manch andere aufgrund des Wellengangs weniger wohl:

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Glückliche Ausflügler

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Weniger glückliche (dafür freuen sich die Fische)

Auf dem Nachhauseweg trafen wir zu allem Überfluss auf eine Schule Delphine, wieder ganz nahe an unserem Boot.

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Für solche Momente nimmt man 11-stündige Busfahrten, versiffte Zimmer und Großgruppentouren dann ausnahmsweise gerne in Kauf… Bei ein paar Maracuja-Caipirinhas lassen wir den Abend ausklingen und dann geht es auch schon früh ins Bett, denn der morgige Tag wird wieder ein anstrengender Reisetag…

Ecuador – Quito

Nach einer kurzen Pause in der Heimat geht das Abenteuer weiter. Die nächsten Wochen sind wir zu dritt in Ecuador unterwegs – Sabrina begleitet uns ein Stück des Weges. Nach einer äußerst beschwerlichen Anreise mit Hindernissen (ein verpasster Anschlussflug und die zunächst verweigerte Einreise nach Ecuador von Kolumbien) landen wir doch alle in Ecuadors Hauptstadt Quito und starteten trotz Jetlag eine erste Erkundungstour.

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In Quitos Altstadt ist die Wichtigkeit des Katholizismus deutlich zu spüren - es reiht sich eine schöne Kirche an die nächste

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Die "Jungfrau von Quito" von unten...

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...und aus direkter Nähe.

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Ausblick über einen Teil Quitos... Auf allen Seiten scheint sich die Stadt fast endlos auszubreiten.

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Mehr Gold und Prunk als ein durchschnittliches europäisches Auge erträgt

Gleich zu Beginn stellte sich heraus: Nichtmal in der Hauptstadt würden wir mit Englisch weiterkommen. Die Kommunikation auf Spanisch war aber, trotz unserer kläglichen Kenntnisse, einfacher als gedacht. Die Ecuadorianer ließen uns auch bei haarsträubenden Satzkonstruktionen („Wie lang dauern Reise Busbahnhof?“, „Wann Puerto Lopez?“, „Wo Klo?“) die Lückenhaftigkeit unserer Sprachkompetenz nicht spüren und unter zusätzlicher Anwendung Activity-erprobter pantomimischer Fähigkeiten konnten wir uns meistens verständlich machen.

Die Zeit in Quito nutzten wir dann auch noch, um die nächsten 2 Wochen zu planen und organisieren.

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Die Weiterreise wird geplant...

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Und hier das Ergebnis vieler Stunden Planung 😉

Obwohl uns Quito mit seinem kolonialen Charme und der schönen Lage in den Berghängen der Anden viel besser gefiel als gedacht, beschlossen wir, schon nach eineinhalb Tagen weiterzufahren. Ecuador hat einiges zu bieten, und unsere Zeit ist begrenzt. Als nächstes möchten wir nach Puerto Lopez, um (hoffentlich) Buckelwale zu sehen.

Borneo

Um es gleich vorweg zu nehmen: zwischen Borneo und uns ist der Funke einfach nicht übergesprungen. Teilweise mag das daran liegen, dass die Ausgangsposition suboptimal war: Wir wollten den malaysischen Teil Borneos eigentlich gar nicht bereisen, sondern den kaum touristischen indonesischen Teil der Insel (dafür hätten wir aufgrund langer Transportwege aber mehr Zeit benötigt, die wir dank eines schwarzen Pelzgesichts auf Ko Phangan nicht mehr zur Verfügung hatten). Noch dazu war im malaysischen Teil im Juli absolute Hochsaison, wir hatten einen schlechten Reiseführer, nur 12 Tage Zeit… Kurz gesagt: Borneo, es liegt (vielleicht) an uns, und nicht an dir!

Teil 1: Sepilok

Obwohl wir auf Sumatra bereits Orang Utans im Gunung Leuser Nationalpark beobachten konnten, wollten wir uns diese auch in Borneo nicht entgehen lassen. Also ab nach Sepilok, wo man bei den zwei Mal täglich stattfindenden Fütterungen durch ein Orang Utan Rehabilitationsprojekt die vom Aussterben bedrohten Affen mit einer Erfolgsquote von nahezu 100% zu Gesicht bekommt. Und tatsächlich, bei beiden Fütterungen waren einige Orang Utans anwesend, denen man von einer Holzplattform aus beim Fressen zusehen konnte.

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Es ist angerichtet - das weiß auch dieser schnell herbeieilende Orang Utan

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Ein frecher Makake stopft in Rekordtempo eine Rekordanzahl Bananen in sich rein.

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Nur die drei Affen und wir? Weit gefehlt. Die Eindrücke müssen wir uns mit hunderten anderen Touris teilen...

Etwas enttäuscht mussten wir feststellen, dass es das damit schon fast war. Man durfte lediglich noch einen 1,5 km langen „Bird Trail“ absolvieren. Vögel konnte man auf diesem Weg aber nur auf den aufgestellten Informationstafeln bewundern, denn sämtliche Lebewesen der Umgebung schienen vor den Touristenhorden schon längst Reißaus genommen zu haben. Von der Arbeit des Rehabilitationszentrums bekam man außer den Fütterungen, einem Film und einigen Fotos nichts zu sehen.

Als wir abends auf der Terrasse saßen und etwas missmutig im Abendessen stocherten, bekamen wir dann aber doch noch unser Orang Utan-Erlebnis aus nächster Nähe: Auf der Flucht vor dem Regen (und wohl auch von den Essensgerüchen angelockt) schwang sich ein ca. 10-jähriger Orang Utan Bub auf einen Nachbartisch. Über eine halbe Stunde lang blieb er dort sitzen, veranstaltete allerhand Klamauk mit dem Tischtuch, und verschwand dann, als er gesättigt und aufgewärmt war, wieder im Dschungel (das Tischtuch immer noch in der Hand).

Das war ein versöhnlicher Abschluss unseres Aufenthalts in Sepilok!

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Teil 2: Semporna und Mabul

Teil 1 unserer Borneoreise verdiente schon maximal das Prädikat mittelprächtig, aber Semporna relativierte diesen Eindruck mit einer völlig geradlinigen Scheußlichkeit, die Sepilok dagegen als Dschungelparadies erscheinen ließ. Auf den Straßen roch es brechreizerregend, im dichten Verkehr war selbst in den geruchsneutraleren Gegenden Spazierengehen kein Vergnügen, die Infrastruktur erwies sich als schlecht und überteuert und generell hatte die Stadt überhaupt nichts zu bieten – außer, dass man von hier aus Tauchgänge nach Sipadan organisieren konnte. Dieses weltberühmte Tauchgebiet darf nur von 120 Personen pro Tag besucht werden, und laut unserem Reiseführer war es ohne frühzeitiges Vorbuchen defacto unmöglich, eines der begehrten Permits zu bekommen. Wir hatten natürlich nichts vorgebucht, aber wieder einmal mehr Glück als Verstand und ergatterten genau für den letzten Tag vor unserer Abreise zwei der begehrten Sipadan-Plätzchen.

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Nun galt es, die Zeit bis zu unserem Sipadan-Tauchtag rumzubringen... Wir besuchten z.B. die Insel Mabul für 2 Tage, die von Seezigeunern in ihren Stelzenhäusern (sowie zahlreichen Touris) bewohnt wird.

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Diese Ölplattform wurde zu einem Hotel für Taucher umgebaut... (lag leider nicht ganz in unserem Budget)

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Zurück in Semporna - was tun mit den restlichen 5 Tagen? Nun, erstmal kauften wir einen großen Plastikkübel, einige Kilo Eiswürfel, Getränke und feierten Sonjas Geburtstag nach.

In Semporna vertrieben wir uns die Zeit bis Sipadan außerdem mit häufigem Essengehen (die verlorenen Annapurna-Kilos waren nun endgültig wieder drauf) und trotz des durchs Tauchen schon etwas strapazierten Budgets mit sechs weiteren Tauchgängen. So vergingen die Tage irgendwie dann doch, und schon war er da, der 19. Juli, auf den wir so lange und ungeduldig gewartet hatten.

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Die Insel Sipadan - nicht nur unter Wasser schön

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Leider erwischte uns Murphy’s Gesetz volle Breitseite – nach einer Woche ausharren in Semporna und Umgebung, nur um in Sipadan zu tauchen, hatten wir ausgerechnet an diesem Tag windiges Wetter und eine Sichtweite von weniger als 5 Metern. Die erwarteten Mantas, Haie und Schildkröten zogen wahrscheinlich in Scharen ungesehen an uns vorbei, aber vor allem der erste Tauchgang war überhaupt nichts Besonderes. Zumindest beim zweiten Tauchgang sahen wir 9 kleinere Riffhaie und einige große Schildkröten, und beim dritten erkundeten wir in 20m Tiefe eine Höhle. Alles in allem war es dann trotz der widrigen Umstände noch ein schöner Tauchtag, auch wenn Sipadan bei guter Sicht sicherlich ungleich beeindruckender ist.

Exakt 24h nach dem letzten Tauchgang ging dann – gerade noch lehrbuchmäßig – unser Flug, und der Ostteil unserer Reise damit zuende. Auch wenn Borneo nicht ganz unseren Erwartungen entsprochen hat, waren die letzten beiden Monate unbeschreiblich schön! Nun erkunden wir Südamerika – wir schreiben den nächsten Eintrag voraussichtlich aus Ecuador.

Ko Phangan – Die Walhai-Quest

Um noch vor Borneo unsere Tauchkenntnisse wieder etwas aufzufrischen, buchten wir zwei Tauchgänge am Sail Rock, dem einzigen Spot, der von hiesigen Tauchcentern zu dieser Jahreszeit angefahren wurde. Es handelt sich dabei eigentlich um einen Anfänger-Spot: warm, nicht tiefer als 20m, gute Sicht, keine Strömung – aber gleichzeitig ist er auch für gelegentliche Besuche durch Walhaie bekannt. Einmal im Leben den größten Fisch der Welt zu sehen ist das, wovon Taucher nachts träumen, doch dazu gehört auch am Sail Rock riesengroßes Glück: Unser Guide Neil hatte nur ein einziges Mal einen gesehen, obwohl er seit einem Jahr fast täglich am Sail Rock tauchte.

Jeglicher Wahrscheinlichkeitsrechnung zum Trotz war Klaus dennoch überzeugt, er würde heute einen Walhai sehen und sprach ständig davon, was Sonja lediglich ein Augenrollen abrang. Aber tatsächlich: nach einem walhailosen ersten Tauchgang lag plötzlich Spannung in der Luft. Irgendjemand hatte angeblich einen Walhai gesichtet, und diese Kunde wurde von Boot zu Boot verbreitet. Nach anfänglicher Skepsis wies Neil uns an, unsere Oberflächenpause drastisch zu verkürzen, SOFORT unser Equipment anzulegen und runterzugehen, sprach von einer „Once-in-a-lifetime-opportunity“ und schon war er im Meer verschwunden. Wir zogen uns mit zittrigen Händen unsere Ausrüstung an, machten uns daran unseren Guide einzuholen, und dann begann die Jagd nach dem Walhai.

Statt zwischen den schönen Korallenblöcken herumzudümpeln führte uns Neil jetzt ins Blauwasser. Hier gab es nichts Interessantes zu sehen, ohne Walhai würde das eine öde Angelegenheit werden. Während Sonja noch ernsthaft darüber nachdachte, ob sie einen solchen Fisch im Falle des Falles auch erkennen würde, zeigte sich, dass Neil den richtigen Riecher hatte: in einiger Entfernung tauchten die Umrisse eines Walhais auf, mit wunderschöner Zeichnung, begleitet von mehreren Putzerfischen. Als er schon fast wieder aus unserem Sichtfeld verschwunden war, machte er nochmals kehrt, schwamm direkt auf uns zu, und schwenkte erst 2m vor uns wieder ab… fast hätten wir ihn anfassen können. Wir waren atemlos und tief berührt. Wie in Trance führten wir den Tauchgang noch zu Ende. Viel Luft hatten wir durch unsere Aufregung ohnehin nicht in den Flaschen gelassen.

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Wieder an der Oberfläche - glücklich, aber noch sehr überwältigt