Archiv des Autors: blaueelise

Brasilien – Rio de Janeiro

Rio de Janeiro – ein ungeplanter Abstecher, den wir uns einfach gönnten, nachdem wir der Antarktis-Tourismusindustrie schon nicht unser Geld in den Rachen hatten werfen können. Vier Nächte, also nur drei ganze Tage hatten wir für diese lebhafte Großstadt Zeit, und diese wollten wir daher intensiv nutzen.

Rio de Janeiro – da denkt man (wir) unweigerlich an Copacabana, Zuckerhut, die Christusstatue, die typischen brasilianischen Großstadt-Slums „Favelas“, Cocktails, schöne Menschen und Karneval. Und bis auf die letzten beiden Punkte (für den Karneval war es die falsche Jahreszeit und die Duchschnitts-Besucher der Wiener Copakagrana können mit denen des brasilianischen Originals auch locker mithalten) war unser Aufenthalt ein ziemliches Klischee, wie Kurzbesuche das nunmal häufig an sich haben: Wir wohnten in einer Favela direkt oberhalb von Copacabana, ließen keine der gängigen Sehenswürdigkeiten aus, und Abends verführte uns der Barkeeper in unserem Hostel immer wieder zu einem bis mehreren mit viel Liebe zubereiteten und entsprechend wohlschmeckenden Caipirinhas.

Das auf den ersten Blick Besondere an dieser 12 Millionen Einwohner zählenden Stadt ist ihre außergewöhnliche Lage zwischen dschungelbewachsenen Hügeln, den bizarren Granit-Felsen („Morros“) und weißen Stränden. Glücklicherweise gibt es mehrere Möglichkeiten, Rio in seiner gesamten Schönheit von oben zu bewundern. Wir mussten uns aus Zeitmangel auf die bekanntesten Aussichtspunkte beschränken: Auf den Zuckerhut, sowie den über 700m hohen Corcovado, der Hügel, auf dem die berühmte Christusstatue steht. Beides waren zwar nicht ganz günstige, aber lohnende Ausflugsziele.

image

In Rios Altstadt

image

Am berühmten Strand Copacabanas

image

Wer Rio von oben bewundern möchte, kann die Seilbahn auf den Zuckerhut nehmen...

image

...für Leute mit Höhenangst aber nur bedingt geeignet!

image

Dennoch: der Ausblick lohnt sich!

image

Die berühmte Christusstatue ließen wir uns natürlich auch nicht entgehen - immerhin ist sie eines der neuen sieben Weltwunder. Wir hätten sie uns allerdings größer vorgestellt - spätere Recherchen ergaben, dass sie mit einer Höhe von 38m inklusive Sockel auch "nur" die sechstgrößte ihrer Art ist!

image

Auch vom Corcovado wieder eine phänomenale Aussicht über die Stadt.

image

Auch ein bisschen Shopping musste sein... denn nach 7 Monaten intensiver Nutzung war das eine oder andere Kleidungsstück im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr tragbar.

Anders als in Buenos Aires waren wir am Ende unserer Zeit in Rio trotzdem froh, weiterzureisen. Die Stadt gefiel uns sehr gut, aber die bis zu 18-spurigen Schnellstraßen, die durchs Zentrum führten, stellten für uns als Fußgänger eine Herausforderung dar und das intensive Sightseeingprogramm der letzten Zeit hatte uns etwas reisemüde gemacht. Unser nächster und vorerst letzter Flug würde uns nach Cartagena in Kolumbien führen, wo wir erstmal für eine Weile ausspannen wollten.

Argentinien/Brasilien – Die Wasserfälle von Iguazu

Unser nächster Flug brachte uns nach Puerto Iguazu, wo wir in einem engen Zeitkorsett genau einen Tag für die argentinische Seite der Wasserfälle und einen Tag für die brasilianische Seite hatten – denn an Tag 3 war bereits unser Weiterflug vom brasilianischen Foz do Iguaçu nach Rio de Janeiro gebucht.

Die berühmten und überaus faszinierenden Wasserfälle von Iguazu können sich offiziell, wie wir erstaunt feststellten, mit keinem einzigen Superlativ schmücken: weder sind sie die weltweit höchsten, noch größten oder wasserreichsten Wasserfälle. Zumindest aber sind sie die spektakulärsten, die WIR je gesehen haben, da sind wir uns einig. Trotz Vorabrecherche waren wir nicht vorbereitet auf diese unglaublichen Wassermassen, die sich faszinierenderweise – so weit das Auge reicht! – von der Abbruchkante stürzten. Selbst die an Machu Picchu erinnernden Menschenmassen schafften es nicht, uns das Erlebte zu verleiden (obwohl es ohne diese natürlich unvergleichlich schöner gewesen wäre).

Auf der argentinischen Seite waren leider zwei der Höhepunkte gesperrt: der Weg zum höchsten Aussichtspunkt durfte nicht begangen werden, und die Boote zur Isla San Martin fuhren aufgrund des hohen Wasserstands nicht.

image

image

Im Glauben, das Schönste ohnehin schon gesehen zu haben, hätten wir die brasilianische Seite schon beinahe ausgelassen, denn das Wetter war an besagtem Tag sehr unbeständig. Im Nachhinein sind wir sehr froh, uns trotz des Regens aufgerafft zu haben, denn auch oder sogar insbesondere der in Brasilien liegende Teil des Nationalparks wusste zu beeindrucken. Durch die gebauten Plattformen kann man den mächtigen Wasserfällen sehr nahe kommen, mal steht mal mittendrin in der Gischt, mal direkt seitlich, mal über den Wasserfällen – ein großartiges Erlebnis! Der Nasenbär-Kindergarten, den wir entdeckten – unzählige Babynasenbären, die auf einem Baum herumtollten – tat sein Übriges, uns restlos zu begeistern.

image

image

image

ein Vertreter aus dem Nasenbär-Kindergarten. Man stelle sich um die 20 von diesen putzigen Gesellen beim Herumtollen vor. Da vergisst man beinahe, dass man wegen der Wasserfälle gekommen ist.

Nach Besuch der argentinischen Seite mussten wir uns übrigens vorerst endgültig von diesem Land verabschieden – und stellten fast überrascht fest, dass wir Argentinien vermissen würden. Natürlich war unsere erste Zeit in Argentinien schwierig gewesen (teuer, volle Quartiere, die Abzocke bei Busfahrten, hoher organisatorischer Aufwand bezüglich Geldwechsel), aber das besserte sich außerhalb Patagonien und Feuerlands rasch und gewisse Annehmlichkeiten, wie die guten Lokale und freundlichen Menschen, werden uns definitiv abgehen.

Argentinien – Buenos Aires

Wäre die (ohne den riesigen umliegenden Ballungsraum gerechnete) 3 Millionen Einwohner zählende Hauptstadt Argentiniens nicht unweigerlich auf unserem Weg in den Norden gelegen, hätten wir mangels unserer Großstadtaffinität hier vermutlich gar nicht vorbeigesehen. Neben einiger positiver Berichte hatten wir gehört, Buenos Aires sei teuer und gefährlich, und die eher mittelmäßigen Sehenswürdigkeiten weit über die Stadt verteilt, was Sightseeing aufwändig machte. Aber nachdem wir schon mal hier durch mussten, wollten wir auch dieser Stadt eine faire Chance geben und planten ein paar Tage ein.

Wie so oft bei einer niedrigen Erwartungshaltung wurden wir äußerst positiv überrascht, und zwar genau genommen in jeglicher Hinsicht: Wir fühlten uns in Buenos Aires eigentlich immer sicher, hatten in 3 Tagen alle touristisch relevanten Viertel gemütlich zu Fuß abgeklappert und viel Geld gaben wir auch nicht aus. Unser Hostel war unverschämt günstig, die Manager dafür außerordentlich herzlich und hilfsbereit. Wir schliefen morgens lang, gingen jeden Tag gut essen, gönnten uns auf unseren ausgedehnten Streifzügen durch die Stadt zahlreiche Kaffeepausen und abends öfters ein Gläschen Malbec aus Mendoza. Und das alles in Sommerkleidung, herrlich nach der patagonischen Kälte (fand zumindest Sonja, während Klaus sich ob der anstrengend hohen Luftfeuchtigkeit noch oftmals in den Süden zurückwünschte).

Dass Buenos Aires über keine wirklich herausragenden Sehenswürdigkeiten verfügt stimmt, aber es ist die Atmosphäre der Stadt, die sie so besonders macht, das Leben auf den Straßen, die Märkte, die Menschen.
Zu unserem großen Glück fand während unseres Aufenthalts auch noch das jährliche Tangofestival statt. Überall in der Innenstadt wurden Bühnen aufgebaut und abends gab es kostenlose Tangokonzerte und Tanzvorführungen.

Alles in allem hatten wir also fünf geniale Tage in Buenos Aires und wäre der Flug nach Iguazu nicht schon gebucht gewesen, wir wären auch gerne noch ein paar Tage länger geblieben.

image

Der Tango - Argentiniens Nationaltanz - ist in Buenos Aires allgegenwärtig, vor allem zur Zeit des Tangofestivals.

image

Dieser Park besteht eigentlich nur aus einem einzigen Baum, der dafür im Durchmesser samt Wurzelwerk unglaubliche Ausmaße hat.

image

Ein Ausflug zum berühmten Friedhof, wo unter anderem berühmte Personen wie Evita begraben liegen, durfte natürlich nicht fehlen. Auch nach dem Tod bleibt eine deutliche Trennung zwischen arm (Minikästchengräber) und reich (riesige, prachtvolle, teils mehrstöckige Gruften) aufrecht.

image

Zwischen zwei Hochhäusern kann so eine Kiche schon mal an Eindruck einbüßen...

image

Himter dem Brunnen der Regierungspalast des Landes auf der bekanntesten und repräsentativsten Straße der Stadt, der Avenida de Mayo

Chile/Argentinien – Südpatagonien und Feuerland

Nationalpark Torres del Paine

‚Säulen des Himmels‘ benannten die Indigenas die steil abfallenden Berge im Zentrum dieses heutigen Nationalparks – so steil, dass auf ihnen niemals Schnee liegen bleibt. Er gehört zu Chiles malerischsten Naturschönheiten.
Trotz seiner Abgeschiedenheit und schweren Erreichbarkeit erfreut er sich daher über zahlreiche wanderbegeisterte Besucher, die sich für einige Tage dem rauhen südpatagonischen Klima aussetzen, um zu Fuß die wunderschöne Landschaft zu erkunden.
Dieses ganz besondere Fleckchen Natur wollten auch wir uns nicht entgehen lassen – denn Touristenmassen hin oder her, der Gedanke unser kleines Zelt und Essen für einige Tage zu packen und so (fast) völlig unabhängig von sämtlicher Infrastruktur einfach loszuwandern, war einfach sehr verlockend.

Dies brachte auch gleichzeitig ein Problem mit sich: Wer sollte das alles tragen? Und wie in aller Welt würde unsere gesamte Ausrüstung in unsere Wander-Rucksäcke passen, die sonst schon immer so voll waren, ohne Zelt, Matten, Schlafsäcke, Kocher, Geschirr und Proviant für 6 Tage? Das Packen dauerte die halbe Nacht und erforderte ein bisschen Kreativität, und bezüglich des Gewichts konnten wir nur hoffen, möglichst rasch die erforderliche Rückenmuskulatur aufzubauen.

image

Mit der gesamten Campingausrüstung am Buckel. Klaus' Rucksack kommt auf knappe 20kg... nur der Gedanke, mit jedem Essen, und sogar jedem Mal Zähneputzen leichter zu werden, gibt Hoffnung... 😉

image

Ein erster Blick auf die Landschaft des Nationalparks versprach schon mal unvergessliche Naturerlebnisse...

Wie viele andere planten auch wir, der Wanderroute ‚W‘ zu folgen, benannt nach ihrem Wegverlauf, der ansatzweise an diesen Buchstaben erinnert. Mit einer kleinen Abwandlung verlängerten wir die Route noch um einen Tag, indem wir bereits von der Parkadministration loswanderten (das offizielle W startet an einem späteren Punkt). Wir erhofften uns davon einen menschenleeren Trek am ersten Tag, was sich auch erfüllte. Ab dem zweiten Tag trafen wir natürlich viele andere Trekker – ging man zur richtigen Tageszeit los, war die Anzahl der Mitwanderer gerade noch erträglich. Die Landschaft war so atemberaubend, dass wir ohnehin für nichts anderes Augen hatten und richtig voll wurde es auch erst abends auf den leider obligatorischen Campingplätzen.

image

Solche Bilder begleiteten uns fast ständig im Nationalpark Torres del Paine

image

image

Der Glacier Grey - Höhepunkt von Tag 2

image

Jede Lagune beeindruckte mit einer anderen Farbe - diese türkise gefiel uns besonders gut

image

Unsere nicht ganz patagonientaugliche Carpa überstand wider Erwarten auch die orkanartigen Böen - obwohl wir öfter davon geweckt wurden, als sich die Zeltwand (!) auf unser Gesicht drückte.

image

Zu Essen gabs abwechselnd Spaghetti, Reis und Püree. Und Vitamintabletten.

Das Wetter war uns auch wohlgesonnen – obwohl Dauerregen vorhergesagt wurde, regnete es kaum und wir hatten sogar viel Sonnenschein. Leider wehte aber ein ganz schön kräftiger Wind: Böen mit bis zu über 120km/h, die in unberechenbarer Stärke und wechselnder Richtung auftraten, ließen uns teils wie Betrunkene herumtorkeln, boten wir mit unseren großen Rucksäcken ja noch besonders viel Angriffsfläche.
Am dritten Tag beendete dann ein besonders fieser Windstoß unseren Trek: Während wir auf einem Hügel standen und die Aussicht genossen, wurde Sonja von einer überraschenden Bö zu Boden geworfen und verletzte sich dabei die Schulter. Der Arm ließ sich nicht mehr heben und belasten, und uns blieb daher nichts anderes übrig, als zurück zum Camp zu gehen, von wo aus wir schnellstmöglich (sprich: einen halben Tag in einem Katamaran und zwei Bussen) ins nächste Krankenhaus fuhren. Zum Glück nichts gebrochen oder gerissen, aber eine Armschlinge sollte noch zwei Wochen und ein ausgewachsener Bluterguss in der exakten Form von Österreich fünf Wochen lang an das unglückliche, vorzeitige Ende der Wanderung, aber auch an unser Zuhause erinnern…

Aus diesem Grunde gibt es hier leider auch keine Bilder des erklärten und eingangs beschriebenen Höhepunktes des Parks zu bewundern, den bizzaren Felszinnen. Diese bei Interesse einfach andernorts nachschlagen.

image

Ein kläglicher Versuch, dem omnipräsenten Wind kurz zu entrinnen

image

Das letzte Foto vom Nationalpark, aufgenommen wenige Sekunden vorm Unglücksfall.

Puerto Natales und Punta Arenas

Mit insgesamt über 40kg Gepäck auf 4 Rucksäcke verteilt, aber nur einer verbliebenen Person im Team, die in der Lage war, diese zu tragen, stellte das Weiterreisen eine ungeplante Schwierigkeit dar. Wir blieben also noch drei Tage in Puerto Natales und weitere drei in Punta Arenas und beschränkten unsere Ausflüge auf Tagestrips, zum Beispiel zum schönen Friedhof von Punta Arenas oder der Kolonie von Magellanpinguinen auf der Isla Magdalena in der Magellanstraße.

image

Der etwas eigenartige, aber durchaus ansprechende Friedhof von Punta Arenas

image

image

Die Magellanpinguine auf der Isla Magdalena - Besonders spaßig war es, sie dabei zu beobachten, wie sie sich gegenseitig Nistmaterial aus den Nestern stahlen.

image

image

In manchen dieser Erdlöcher sahen wir Pinguineier oder brütende Pinguine - im Dezember ist Nistzeit. Wie schön muss es hier erst im Februar sein, wenn hier auch noch der Nachwuchs herumwuselt...

Tierra del Fuego – Das Feuerland

Die Reise Richtung Süden sollte in Patagonien noch nicht zu Ende sein, wir hatten vor uns bis Feuerland durchzuschlagen. In Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, wollten wir unser Glück versuchen, zwei der begehrten Last-Minute Antarktiskreuzfahrtplätze zu ergattern. Wir bekamen sogar ein Angebot, das knapp in unseren finanziellen Rahmen passte – jedoch erst für zweieinhalb Wochen später, und so lange wollten wir uns eigentlich nicht mehr im Süden aufhalten. Es fiel dennoch schwer, uns von der so lange Zeit gehegten Idee einer Reise in die Antarktis zu verabschieden, und erst als klar wurde, dass wir am einzigen in Frage kommenden Schiff in getrennten Kajüten schlafen müssten (Dreibettzimmer sind hier streng nach Geschlechtern getrennt) oder nochmals 1.000 Dollar für eine Doppelkajüte drauflegen müssten, entschieden wir uns endgültig dagegen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und so wird eben künftig einmal ein Jahresurlaub für die Antarktis draufgehen müssen (und einen zweiten Anlauf im Torres del Paine, wenn wir schon einmal dabei sind).

Nicht nur davon, die Antarktis zu bereisen, sondern auch von unserem Plan, von Puerto Williams aus in einer mehrtägigen Wanderung das Navarino-Massiv zu umrunden, mussten wir Abstand nehmen. Dafür hätten wir wieder schwere Rucksäcke mit Zelt und Verpflegung packen müssen – zu schwer für Sonjas lädierte Schulter oder für Klaus allein.

Armes Puerto Williams übrigens: Nachdem es von seinem eigenen Land Chile nicht das Stadtrecht erhält (zu Recht, wie wir meinen), muss es den Titel ’südlichste Stadt der Welt‘ nun zähneknirschend dem argentinischen Ushuaia am nördlicheren Ufer des Beagle-Kanals überlassen, schmückt sich aber zumindest mit der Bezeichnung ’südlichstes Dorf der Welt‘. Und zumindest das macht ihm so bald wohl niemand streitig, südlicher liegen nur noch ein paar Fischerhütten und antarktische Forschungsstationen.

Eine leicht trübselige Stimmung kam bei uns nun auf: mitten im allerschönsten Trekkingparadies, und wir konnten nicht wirklich wandern gehen… Um zumindest ein bisschen etwas von Feuerland zu sehen, leisteten wir uns für einen Tag einen Mietwagen und bummelten durch die wunderschöne, wildromantische und völlig einsame Landschaft.

image

Endlich mal wieder ein eigener fahrbarer Untersatz!

image

Auch den Bäumen setzt der Dauer-Wind sichtlich zu, hier ging nämlich grade gar keiner 🙂

image

image

image

Letztlich entschieden wir, dass es an der Zeit war, die Daunenjacken gegen Sommerkleidung einzutauschen und uns vom Südzipfelchen Südamerikas zu verabschieden. Als nächstes sollte es wieder in wärmere Gebiete gehen: zuerst nach Buenos Aires und anschließend der Pflichtbesuch bei den Wasserfällen von Iguazu!

Argentinien – Der Nationalpark Los Glaciares

Der Weg nach El Chaltén, dem Tor zum nördlichen Teil des Nationalparks Los Glaciares, war lang und an der Grenze des Erträglichen – insgesamt 5 Tage waren wir unterwegs. Im Zeitraffer bedeutete das: Bus, Bus, Bus, Übernachtung in Quellón, eine 36-stündige Schifffahrt (8 Stunden Verspätung inklusive), Bus, Bus, Übernachtung in Cohayque, Bus, Fähre, Bus, Übernachtung in Los Antiguas in unserem Zelt, noch eine 11-stündige Busfahrt, Ankunft bei Sturm und Regen in El Chaltén, dort aber nirgendwo ein günstiges Zimmer frei, also trotz widriger Witterung wieder unser Zelt aufgebaut…

Eine nette Reisebekanntschaft machte die lange Anfahrt etwas kurzweiliger:

image

Dieser in Chile lebende Holländer war auf einem Visa-Run und reiste insgesamt drei Tage mit uns. Dabei erfuhren wir allerlei Interessantes über Chemtrails, die Freimaurer, und darüber wie 9/11 wirklich stattgefunden hatte. Trotz seinem Hang zu Verschwörungstheorien war unser neuer Bekannter aber eine Bereicherung dieser Reisetage – freundlich, interessant und ein echtes Original. Am Ende bekamen wir sogar eine Einladung auf sein Stück Land zwischen Dschungel und Meer, wo er wie Robinson Crusoe lebt – sollten wir wieder nach Chile kommen oder sich unsere Pläne ändern, werden wir diese auch gerne annehmen!

El Chaltén

El Chaltén erinnerte uns sehr an San Pedro de Atacama in Chile – ein kleines Dorf, aufgeblasen zu einer Touristenmetropole. Da dies aber nunmal die selbsterklärte „Hauptstadt des Trekkings“ Argentiniens ist, ließen wir uns davon nicht abschrecken, schnürten unsere Wanderschuhe und ab gings in die Wildnis Patagoniens – endlich! Die Sonne über uns, der raue Wind im Haar, die zerklüfteten Felsen des Cerro Torres und Fitz Roy vor uns, fühlten wir uns zum ersten Mal wohl in Argentinien.

image

image

image

image

image

image

image

Paul und Charlotte (das französische Paar, das wir in Bolivien kennengelernt hatten), hatten sich in der selben Zeit auf anderem, aber nicht minder komplizierten Weg, nach El Calafate durchgeschlagen, wo wir uns – mal wieder – treffen wollten. Eigentlich hätten sie uns schon längst uneinholbare drei Tagesreisen voraus sein sollen, aber wir sind nicht die einzigen, die in Patagonien nur mühsam vorankommen – das Schiff mit den beiden an Board hatte aufgrund eines Sturms ganze drei Tage Verspätung und somit kreuzten sich unsere Wege erfreulicherweise erneut.

Von El Calafate aus wollten wir uns den südlichen Teil des Nationalparks mit seinen zahlreichen Gletschern vornehmen.

El Calafate

In einem neuen argentinischen Ort anzukommen und ohne mühselige, mit dem vielen Gepäck schweißtreibende und meist lange erfolglose Suche ein Bett zu bekommen, war eine neue und durchaus willkommene Erfahrung – unsere Franzosen hatten für uns gemeinsam ein Vierbettzimmer reserviert, juhu!

Ein Kassasturz offenbarte, dass wir bis zur Wiedereinreise in Chile gerade noch genug Bargeld mit hatten. Vor allem die abartig teuren Busfahrten hatten in weniger als einer Woche fast unseren gesamten Vorrat an Euros und Dollars aufgefressen! Abheben am Bankomaten in Argentinien ist als Europäer ein finanzielles Desaster, denn der dort gebotene offzielle Wechselkurs liegt ca. 50% unter dem Kurs, den man allenorts mit Bargeld aus den USA oder Euro-Raum erzielen kann (dies hat mit dem hohen Wertverlust des Pesos zu tun, eine komplizierte Geschichte…).

Um unsere letzten Pesos gönnten wir uns argentinisches Steak und Rotwein in einem etwas besseren Restaurant (das bereits dritte Abschieds-Essen mit den netten Franzosen) und eine teure Schifffahrt zu den Gletschern des Nationalparks – allesamt gute Investitionen! Und in Chile würden wir unseren Geldvorrat wieder auffrischen können.

image

Eisberge kündigen die riesigen Gletscher an

image

Der Uppsala-Gletscher in der Ferne

image

image

Von der beeindruckenden, über 100m hohen Abbruchkante fallen immer wieder kleinere Gletscherbruchstücke ins Meer.

Nach der Rückkehr in unsere Unterkunft waren wir dann endgültig überzeugt, wieder auf der Sonnenseite des Reise-Daseins gelandet zu sein: Das Hostal hatte unbeabsichtigt unser Zimmer vergeben, und uns nun als Entschädigung und ohne Aufpreis in einem viel teureren Hotel untergebracht, wie wir es uns selbst je geleistet hätten. Ein für unsere Verhältnisse luxuriöses Zimmer, riesiges Bett, eigenes Bad… Hier entspannten wir einen Abend lang noch richtig, denn demnächst würden im Nationalpark Torres del Paine wohl wieder einige kalte, unbequeme Zeltnächte folgen.

Chile – Valparaíso und Chiloé

Valparaíso

Nach 24 langen Stunden im Bus, die das Sitzfleisch an seine Belastungsgrenze brachten, und während derer sich die Landschaft von an Nordperu erinnernder Ödnis zu satten grünen Wäldern veränderte, kamen wir endlich in Valparaíso an.

Einer Empfehlung unserer französischen Reisebekanntschaften Charlotte und Paul folgend, quartierten wir uns in einem netten alten Haus ein, wo wir ein wunderbares Erkerzimmer für einen unverschämt günstigen Preis bekamen. Der französische Besitzer Gilles ist ein Goldstück und scheint sein Hostel mit viel Liebe und Leidenschaft zu betreiben, wir fühlten uns hier unglaublich wohl.

image

Im Hostal 'La Bicyclette' - Gilles winkt vom Garten aus in die Kamera

Valparaíso ist, wie wir beim anschließenden ersten Stadtrundgang feststellten, einfach großartig und anders als jede Stadt, die wir kennen: Viele scheinen sich hier auf unterschiedlichste Arten schöpferisch zu verwirklichen, sei es durch architektonisch besonders schöne oder interessante Bauwerke, durch das Betreiben ungewöhnlicher kleiner Lokale, das Gestalten bunter Laternenpfahle oder durch die Kreation von Street Art. Manche Straßen sind wild überwuchert, manche Häuser alt und halbverfallen, insgesamt ist diese Stadt herrlich chaotisch, bunt, freundlich!

image

Eine der bewachsenen, bunten Straßen Valparaísos. Ganz oben der passende Schriftzug 'We're not Hippies, we're Happies'.

image

Was die außergewöhnliche Schmückung des Hauses wohl auf sich hat? Wir konnten es leider nicht herausfinden, denn wir trauten uns nicht hinein... zu weird 😉

image

Eine von vielen alten Standseilbahnen der Stadt...

image

...eine davon mit einem Abgang der etwas anderen Art.

image

Liegestühle mitten in der Stadt, niemand hier, der für ihre Benutzung Geld oder etwas verkaufen möchte.

image

Alt trifft neu

image

image

Derlei Wandbemalungen schmückten einen beträchtlichen Anteil der Häuser, an jeder Ecke gab es etwas zu entdecken.

image

Valparaíso ist nach Cuenca in Ecuador tatsächlich die zweite Stadt, in der wir uns gut vorstellen könnten, eine Weile zu leben. Im Rahmen eines lustigen, einige ‚Pisco Sour‘ beinhaltenden Abends mit Cha & Paul sinnierten wir darüber, einfach hierzubleiben und ein Hostel zu eröffnen, entwarfen große Businesspläne, und was es galt, alles besser zu machen als andere Hostelbesitzer… dann aber fiel uns ein, dass so ein Hostel auch ganz schön viel Arbeit wäre… also lieber doch weiterreisen, so der einstimmige Beschluss. Allerdings trennten sich unsere Wege etwas weiter südlich in Puerto Montt wieder, denn die beiden Franzosen wollten schnellstmöglich nach El Calafate, während wir dazwischen noch Zeit für die eine oder andere Stationen hatten.

Vorher mussten wir jedoch noch gewaltig an Gewicht zulegen… und zwar Gepäcksgewicht: Ein Zelt, zwei Matten, einen Kocher und einiges an Reiseproviant. Denn auf det Insel Chiloé, unserem nächsten Ziel, wollten wir erstmals campen, nachdem wir zuvor mangels der entsprechenden Ausrüstung oftmals darauf hatten verzichten müssen!

Chiloé

Chiloé, eine große der vielen vorgelagerten Inseln westlich von Patagonien, unterscheidet sich landschaftlich und architektonisch sehr vom bisher gesehenen Chile: Satt grüne, von Flüssen und Fjorden geprägte Weite, bunte Holzhäuser, die teilweise auf Stelzen gebaut sind, und die zahlreichen Schafsherden dazwischen erinnerten uns sehr an das kürzlich besuchte Norwegen.

Leider war auch das Wetter sehr skandinavisch. Viel Regen wechselte sich mit wenig Sonne in kurzen Intervallen ab, und recht kalt war es obendrein. Kein ideales Campingwetter also, aber wenigstens würden wir so frühzeitig die Patagonien-Tauglichkeit unserer kleinen „Carpa“ testen können.

In Chepu, einem kleinen Dorf an der Westküste Chiloés, fanden wir eine hübsche Wiese direkt am Fluss gelegen, mit einer Holzhütte als Refugio, in der wir ein Feuerchen machen und kochen konnten – und außer uns keine anderen Gäste, an diesem einsamen Plätzchen wollten wir unser Zelt einweihen!

image

Die erste Nacht im neuen Zelt

Wir blieben zwei Tage, fischten, aßen die spärliche Ausbeute, wärmten uns am Holzofen und ließen uns von Alfonso, dem Besitzer, in seinem Boot durch den nahegelegenen Nationalpark führen.

image

Die Fische beißen, nur Sonja bleibt das Angelglück verwehrt: Der kleine Babylachs jedenfalls darf sofort wieder zurück ins Meer.

image

Klaus, kurz bevor er das Mittagessen aus dem Wasser zieht - einen Hecht (?). Im Vergleich zum Bild davor zeigt sich, wie wechselhaft das Wetter in Chiloé ist.

image

Auf der Bootsfahrt durch die Flüsse und Fjorde Chiloés sehen wir einen Seelöwen, viele Kormorane...

image

...und einen 'Martin Pescador'

image

Nicht nur Landschaft und Klima, auch die bunten Häuschen erinnern uns irgendwie an Skandinavien.

Nach dieser kurzen, erholsamen Zeit, mussten wir uns auch schon wieder auf den langen Weg nach Argentinien machen, denn wir waren an die wenigen Fährverbindungen gebunden, die vom Süden Chiloés zurück ans Festland führten, und das waren nur zwei pro Woche. Als wir nach der Nutzung drei verschiedener Busse endlich in Quellón, der südlichen Hafenstadt, ankamen, hatte die Ticketverkäuferin der Fähre eine gute und eine schlechte Nachricht für uns: Ja, wir waren rechtzeitig für die nächste Fähre nach Puerto Chacabuco hier, aber nein, diese würde nicht heute, sondern erst nächstertags fahren. Den Grund dafür konnten wir nicht in Erfahrung bringen, da wir wieder vor dem bekannten Sprachproblem standen: die Ticketverkäuferin konnte es mit ihrem stark ausgeprägten chilenischen Akzent so oft wiederholen, wie sie wollte, wir verstanden sie einfach nicht! Nun, so oder so schien jedenfalls festzustehen, dass wir eine Nacht in Quellón bleiben würden, einer dieser Orte, die man eigentlich schnell wieder verlassen möchte. Aber so sehr wir uns auch zuerst über den verschwendeten Nachmittag ärgerten: Es war dann eigentlich ganz angenehm, einfach mal einen halben Tag NICHTS zu tun, außer im heruntergekommenen Landgasthaus günstig und gut zu essen. Anders, als man sich das von zuhause aus vielleicht vorstellt, kommt schnödes Nichtstun auf so einer Reise wie unserer nämlich in der Regel viel, viel zu kurz!

image

In Chiloé mag mans offensichtlich bunt! Hier die Kirche von Castro.

image

Die Fähre, die uns in 28h Fahrzeit weiter südlich zurück ans Festland bringen soll.

Am nächsten Morgen deckten wir uns noch mit Essen für die nächsten 28h ein – denn so lange sollte die Fahrt dauern, mas o menos meinte die Ticketverkäuferin (was in der Regel immer mas bedeutet, und niemals menos) – und weiter gings per Schiff durch die Fjordlandschaft des Südens.

Chile – Die Atacamawüste

Die Ankunft in San Pedro de Atacama in Chile war, als würde man eine andere Welt betreten: Die Sauberkeit auf den Straßen stach nach der langen Zeit in Peru und Bolivien sofort ins Auge, Mistkübel an jeder Straßenecke, und wenn man über die Straße ging, wurde man von den Autos nicht angehupt, sondern höflich vorbeigelassen. Der Umgang der Menschen miteinander erschien uns deutlich „europäischer“ (z.B. kein Vordrängen, Ausschilderung von Preisen und damit Ablehnung von Preisverhandlungen, Wahren eines größeren körperlichen Abstandes im Bus), womit sich auf der einen Seite sofort ein gewisses Gefühl der Vertrautheit einstellte, auf der anderen Seite fehlte nun die bunte, reizüberflutende Exotik Perus und Boliviens.

Ein Problem stellte die Sprache dar: War das wirklich Spanisch, was man hier sprach? Wir konnten uns nach wie vor einigermaßen verständlich machen, aber die Antworten verstanden wir kaum noch, egal wie oft unser Gegenüber diese (immergleich schnell) wiederholte. Die letzte Silbe eines Wortes wurde prinzipiell verschluckt, und auch der Rest hörte sich meist so an, als hätte der Sprechende ein bis zwei mittelgroße Kartoffeln im Mund. Nun, daran würden wir uns gewöhnen müssen, denn diese Eigenarten seien typisch für chilenisches Spanisch, wie man uns sagte.

Obwohl San Pedro selbst kaum mehr als ein kleines Dorf ist, stellt es sozusagen den Haupttouristenknotenpunkt des chilenischen Nordens da, und entsprechend war es dort zwar sehr hübsch und gepflegt, aber die Atmosphäre hatte etwas Künstliches: Shop neben Restaurante Turistico neben Touranbieter neben Hostal… Alles schien sich nachvollziehbarerweise um die zahlreichen Gäste zu drehen. In diesem Rummel wollten wir uns nicht allzulange aufhalten, und so buchten wir rasch unsere Weiterreise in den Süden und um uns die Zeit bis zur Abfahrt zu verkürzen eine Tour ins Valle de la Luna. Wir hatten keine hohen Erwartungen an die Tour und waren daher positiv überrascht, dass wir für nicht viel Geld 4 Stunden von einem freundlichen Guide zu unterschiedlichsten Plätzen in der Atacamawüste gebracht wurden und den Sonnenuntergang von einer Düne mit schönem Blick übers besagte Valle sogar in Zweisamkeit genießen konnten.

image

Die Mondlandschaft des Valle de la Luna - die Sandformationen bleiben erhalten, da es in der Atacamawüste so gut wie nie regnet.

image

Die 'Tres Marias' - mit ein bisschen Phantasie und/oder einer entsprechenden Menge Pisco kann man hier tatsächlich drei betende Gestalten erkennen.

image

Sand, Sand, Sand, und ein zumindest sehr pittoresker Vollmond, der uns aber gemeinerweise den Blick auf den Sternenhimmel (dieser soll in der fast immer wolkenlosen Atacamawüste besonders schön sein) vorenthielt.

image

Auf den Sanddünen suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen...

image

...und schauen zu, wie sich die Wüste im Licht der untergehenden Sonne langsam rot färbt.

image

Am nächsten Tag ging es dann auch schon weiter nach Valparaíso. Mit der 24-stündigen Busfahrt (unserer bisher längsten) ließen wir den Norden Chiles links liegen und uns ein ganzes Stück weiter nach Süden bringen – in eine gemäßigter temperierte Region Chiles. Von Wüsten hatten wir vorerst genug!

Bolivien – Teil 2: Potosi, Tupiza und der Salar de Uyuni

Potosi

Aus heutiger Sicht schwer vorstellbar, aber mehrfach bestätigt: Potosi war einst die reichste Stadt Amerikas! Die riesigen Silbervorkommen, die diesen Reichtum Potosis ausmachten, waren Fluch und Segen zugleich: Ein Segen für die spanische Kolonialmacht, die das Silber galeerenweise in ihre Heimat transportierte, ein Fluch für die indigene Bevölkerung, die das Silber für die Spanier unter menschenunwürdigen Bedingungen abbauen mussten, und dabei zu Hunderttausenden ihr Leben ließen.

Heute wird in den Minen immer noch Silber abgebaut, neben allerlei anderen, heute bedeutenderen Metallen, und die Bedingungen haben sich nicht wesentlich verbessert: immer noch ist die Lebenserwartung der Minenarbeiter deutlich verkürzt, einstürzende Gänge, giftige Dämpfe und Staub stellen hohe Gesundheitsrisiken dar. Zumindest aber wirtschaften die Arbeiter heute in ihre eigenen Taschen, sind in Kollektiven selbständig organisiert und bestimmen selbst, z. B. wie wiele Stunden sie arbeiten möchten. Reich wird man von der Minenarbeit meist nicht, aber der Durchschnittsverdienst liegt deutlich über jenem anderer Branchen.

Die Minen sind mittlerweile für Besucher geöffnet. Die Arbeiter würden sich an den Touristen nicht stören, sondern sich im Gegenteil über diese (und die Geschenke, die damit üblicherweise einhergingen) freuen, wurde uns versichert, und so beschließen auch wir trotz Skepsis die Minen aufzusuchen. Tatsächlich sind die Minenarbeiter sehr freundlich und im Tausch gegen Cocablätter, 96%-igen Alkohol und Dynamitstangen gewillt, von ihrem Arbeitsleben in den Silberminen zu erzählen.

image

image

Während es die meisten Besucher Potosis bei einer Tour durch die Minen belassen, waren wir von der Stadt so begeistert, dass wir unseren Aufenthalt noch um einen Tag verlängerten. Potosis Altstadt ist ebenso wie Sucres UNESCO Weltkulturerbe, aber obwohl beide Städte Häuser im Kolonialstil aufweisen, könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Wo Sucre weiß, sauber und offensichtlich vergleichsweise reich ist, hat Potosi eine leicht heruntergekommene Atmosphäre und eine ganz andere Art von Schönheit.

image

Das Postamt Potosis - das Büro rechts oben mit besonders guter Belüftung

image

Tupiza & der Salar de Uyuni

Tupiza ist eine kleine, relativ unauffällige Stadt inmitten einer malerischen, kaktusbewachsenen, wüstenartigen Landschaft, umgeben von Canyons und bizarren, farbenfrohen Felsen – man fühlt sich hier eher wie in einem alten Western als in Südamerika. Wir wählten diesen Ort als Ausgangspunkt für eine Jeeptour durch den Südwesten Boliviens. Gemeinsam mit einem Guide, einer (ausgezeichneten!) Köchin und drei Franzosen – darunter ein sehr liebes junges Paar, das uns auf unserer weiteren Reise durch Chile und Argentinien noch öfter begegnen sollte – ging es also los. Unser Weg führte durch blaue, grüne, weiße und rote Lagunen, vorbei an Vulkanen, Geysiren, Vicuñas, Kondoren und Flamingos, durch die Wüste und natürlich den Salar de Uyuni, Boliviens schneeweiße Salzwüste. Geschlafen wurde in einfachsten Unterkünften in Fünfbettzimmern, davon eine großteils aus Salz gebaut, inkl. Möbel, was nicht nur hübsch aussah, sondern sich beim Nachwürzen der Speisen als äußerst praktisch herausstellte.

image

Die Landschaft zwischen Tupiza und Uyuni, 100% Puzzlebildtauglichkeit

image

image

Eines unserer köstlichen Mittagessen, die wir immer in schöner Umgebung einnahmen. Dies ist auch gleichzeitig unser einziges Gruppenbild, da die Kamera der Franzosen mitsamt Speicherkarte wenige Tage später gestohlen wurde.

image


image

Ein erster Blick auf den Salar de Uyuni.

image


image

Unser Jeep - die Kontrastlosigkeit der Salzwüste erlaubt derartige Spielereien mit der dritten Dimension.

image


image

Allenorts brodelt, raucht und schäumt es in diesem vulkanisch hochaktiven Gebiet.


image

Laguna Colorada

image


image

Chile oder Argentinien? Lange waren wir nicht sicher, welches Land wir als nächstes bereisen würden. Erst beim Buchen der Tour fällten wir gezwungenermaßen eine Entscheidung: Es würde als nächstes nach Chile gehen!

Trotz der vielen Stunden im staubigen, viel zu engen Jeep, waren die beeindruckenden Landschaften dieser Tage der Höhepunkt unserer Bolivien-Etappe, die damit auch gleichzeitig zuende ging – denn nach diesen vier Tagen waren wir in Chile angelangt – Weltreiseland Nr. 7!

Bolivien – Teil 1: Copacabana, La Paz und Sucre

In Bolivien planten wir einen vergleichsweise kurzen Aufenthalt. Zwar erschien uns das günstigste Land Südamerikas mit der am tiefsten verankerten indigenen Kultur durchaus ansprechend, aber wir hatten Zeit gut zu machen, die wir in Ecuador und Peru liegen gelassen hatten (speziell die Südspitze dieses Kontinents gilt es dann nämlich in der richtigen Jahreszeit anzusteuern). Wir beschlossen also, uns auf den Südwesten Boliviens zu beschränken und damit auf die bekannteren Highlights – wohl wissend, dass wir damit gleichzeitig auf etwas ausgetretenen Pfaden bleiben würden. Nichtsdestotrotz verbrachten wir zwei großartige Wochen in Bolivien, wo es uns noch besser gefiel als gedacht – und diesmal hielten wir uns ausnahmsweise ganz diszipliniert an einen vorgefassten Zeitplan, ohne irgendwo länger hängenzubleiben!

Copacabana und der Titicacasee

Bolivien empfing uns mit Sonnenschein, feinsten Lachsforellen (mit Vorspeise, Beilagen und Nachspeise um sagenhafte 2 Euro), halbwegs guten Kaffee (nach der fast untrinkbaren Plörre in Ecuador und Peru sehr willkommen) und am wichtigsten: Den endlos scheinenden blauen Weiten des riesigen Titicacasees – wir fühlten uns fast wie am Meer, wenn da nicht die für Höhenlagen über 4.000 m typische Kurzatmigkeit gewesen wäre!

Wir waren so damit beschäftigt, durch die Straßen zu bummeln, die bunten Marktstände zu betrachten, am See spazierenzugehen und zwei Mal täglich Fisch zu essen, dass wir gar keine Zeit fanden, namhafte Inseln wie die Isla del Sol, Isla de la Luna oder eine der aus Schilf gebauten schwimmenden Inseln (auf denen selbiges Schilf gleichzeitig als Hausbaumaterial und Nahrungsquelle dient) zu erkunden – statt dessen genossen wir den See von ein paar weniger überfüllten kurzen Uferwanderungen aus.

image

Copacabana am Titicacasee - hier begegneten wir erstmals seit Asien den geschmackvollen Tretbootschwänen wieder!

image

Flächenmäßig fast so groß wie Korsika, der zweitgrößte und höchstgelegene schiffbare See der Welt.

La Paz

Vor La Paz, dem höchste Regierungssitz der Welt, hatten wir höchsten Respekt. Die Liste an Dingen, die man hier aus Sicherheitsgründen vermeiden sollte, ist lang: Taxi zu fahren ist gefährlich, da es nicht wenige Taxifahrer gibt, die Touristen anstatt ans gewünschte Ziel in eine Hintergasse fahren, wo sie ausgeraubt werden. Zu Fuß zu gehen mit dem Großgepäck sei aber ebenfalls nicht empfehlenswert. Polizisten solle man meiden wie der Teufel das Weihwasser, denn sie seien häufig verkleidete Schurken, die Touristen auf gefälschte Polizeistationen begleiteten um sie dort – richtig! – auszurauben. Von anderen Touristen solle man sich ebenfalls nicht anquatschen lassen, da diese oft nur den Weg ebnen würden für den Auftritt falscher Taxifahrer und falscher Polizisten und strengstens zu unterlassen seien Ausflüge nach El Alto, der höher gelegenen Schwesternstadt La Paz‘, die diese ringförmig umgibt.

Wir fühlten uns aufgrund der vielen Warnungen anfangs etwas unwohl, aber schon nach kurzer Zeit stellten wir fest, dass La Paz auch nur eine südamerikanische Großstadt wie jede andere ist: Vorsicht und Umsicht sind angebracht, aber übertreiben muss man es nicht. Nachdem wir zu dieser Erkenntnis gekommen waren, hatten wir eine überraschend schöne Zeit in dieser interessanten und gar nicht so unschönen Stadt.

image

Der Hexenmarkt von La Paz - Hier kann man neben allerlei Kräutern und Tränken auch Kuriositäten wie Lamaembryos erwerben - eingemauert in das Fundament eines Hauses, sollen diese Glück bringen.

image

Säckeweise bunte, süße Maispops

image

In diesem Park kann man hunderte Tauben füttern und sich dabei von ihnen beklettern (und im schlimmsten Fall beklecksen) lassen - anscheinend eine Lieblingsbeschäftigung der Einheimischen!

image

Der Blick über die Stadt von El Alto - wie man sieht, haben wir uns nicht dauerhaft an alle "Verhaltensregeln" gehalten.

Sucre

Sucre ist – obwohl nicht der Regierungssitz, der sich im viel größeren La Paz befindet – die offizielle Hauptstadt Boliviens und gilt gleichzeitig als die schönste Stadt des Landes. Die prächtigen Häuser im Kolonialstil, der lebhafte Plaza de Armas, die Sauberkeit und das sonnige Klima machten unseren Aufenthalt zu einer äußerst angenehmen Angelegenheit, sodass wir geneigt sind, dem zuzustimmen. Sucre ist aber nicht nur schön, sondern auch teuer, was uns dazu veranlasste, uns einen etwas anderen Schlafplatz zu suchen: Anstatt wie üblich in einem Hostel, nächtigten wir im ehemaligen Kinderzimmer des Sohnes eines älteren Ehepaars, und das Frühstück fand im Familienkreis statt – eine interessante Erfahrung und gute Gelegenheit, Spanisch zu üben!

image

Peru – Arequipa und der Colca Canyon

Unsere spontane Entscheidung, vor unserer Weiterreise noch einen Zwischenstopp in Arequipa einzulegen, sollte sich als absolut richtig herausstellen, denn Arequipa, die zweitgrößte Stadt Perus, ist mehr als nur das Tor zum Colca Canyon. Die Kolonialbauten aus weißem Lavagestein in der schönen Altstadt haben ihr den Beinamen ‚Ciudad Blanca‘ (die weiße Stadt) eingebracht, aber Arequipa hat nicht nur optisch Einiges zu bieten, sondern ist darüber hinaus mit einem angenehmen Klima gesegnet (360 Sonnentage im Jahr!) und berühmt für ihre tolle Küche. Wir genossen also das gute Essen und das schöne Wetter, bummelten durch die Stadt und organisierten alles für unseren dreitägigen Trek durch den Colca Canyon.

image

Arequipas Plaza de Armas - hier wird flaniert, gepicknickt und ab und an auch hingebungsvoll gepredigt

image

Alpaca-Steak im besten Restaurant der Stadt - ein Geschenk von zuhause. Danke nochmal! 🙂

Der Colca Canyon, vom namensgebenden Rio Colca geformt, ist, vom Rande der Schlucht aus gemessen, 1.200 Meter tief und damit der zweittiefste Canyon der Welt – nur übertroffen vom Grand Canyon. Trotz seiner beeindruckenden Größe und Tiefe und seiner schönen Oasen am Grund ist der weitläufige Canyon vorwiegend trocken und landschaftlich wenig abwechslungsreich und seine Wege meist staubig.

Unserer Freude darüber, endlich wieder wie in Nepal mit leichtem Gepäck und unabhängig loszuziehen und jeden Tag spontan zu entscheiden, in welchem der kleinen Dörfer wir übernachten würden, konnte das dennoch keinen Abbruch tun. Also verstauten wir unser Großgepäck in der Stadt, besorgten uns eine topographische Wander-Karte der Gegend und verbrachten noch eine viel zu kurze Nacht in Arequipa..

Denn die Fahrt nach Cabanaconde am Colca Canyon, dem Ausgangspunkt unseres Treks, begann schon um 4 Uhr morgens – die Strecke ist zwar nicht weit, führt aber in vielen Serpentinen über einen 5.000 Meter hohen Pass und nimmt daher über 6 Stunden in Anspruch. Bis wir loswandern konnten, stand die Sonne also trotz des frühen Aufbruchs schon hoch am Himmel und heizte den dunklen Sand des Canyons auf wie einen Backofen.

Wir stiegen auf einem der Wege die 1.200 Meter hinab auf den Grund des Canyons, überquerten den Rio Colca und kletterten die gegenüberliegende Canyonwand wieder ein Stückchen hoch. Mit der Sonne über uns im Zenit, der trockenen, staubigen und ohnehin sauerstoffarmen Luft in dieser Höhenlage waren wir schnell am Ende unserer Kräfte. Dies gepaart mit unseren für diese unerwartete Strapaz zu knapp bemessenen Wasservorräten veranlasste uns entgegen all unserer gefassten Pläne unseren ersten Trekkingtag bereits nach 3 Stunden in San Juan für beendet zu erklären. Glücklicherweise waren wir an einem wunderschönen Fleckchen gelandet – einem Bauernhof eines kleinen Dörfchens, das aus kaum mehr als einer handvoll Häuser bestand, in dem wir unser erstes Nachtlager aufschlugen und auch wunderbar bekocht wurden. Gegessen wurde mangels Strom in der Scheune bei Kerzenschein.

image

Der lage Weg hinab in den Canyon - wissend, dass man jeden Schritt irgendwann auch wieder hinaufklettern muss.

image

Unser 'Bungalow' in San Juan mit Panoramablick auf die gegenüberliegende Canyonseite...

image

...und diesem wuscheligen Alpaca im Vorgarten, das es in Punkto Gesichtsbehaarung sogar mit Klaus' aufehmen konnte.

Am zweiten Tag starteten wir bereits um 6 Uhr morgens – früh, aber dennoch gut erholt – um diesmal der schlimmsten Hitze ab Mittags zu entkommen. Unser Weg führte uns weiter die Canyonwand hoch, durch die Dörfchen Cosnirhua und Malat, über einige schöne Aussichtspunkte und schließlich wieder hinab zum Rio Colca bis nach Llahuar. Dort kamen wir nach sechs Stunden wie beabsichtigt bereits mittags an, und hatten somit die dort am Fluß vorhandenen Thermal-Becken, gefüllt mit unterschiedlich heißem Quellwasser, ganz für uns. Stundenlang saßen wir in einem Steinbecken am Fluss, und erst als wir beide schon sonnenverbrannt und damit gezwungen waren, ein schattiges Plätzchen aufzusuchen, konnten wir uns von diesem schönen Ort losreißen.

image

Seltsame Gewächse trotzen der Trockenheit - wie zum Beispiel dieses meterhohe Exemplar

image

Blick auf die Oase Sangalle, die wir nur von oben sahen - zu viel Trubel da unten!

image

Auf einem der vielen Aussichtspunkte - Klaus gibt 'unwanted advice' zur Optimierung der Kameraposition.

image

40 Grad warmes Wasser - unser erstes Vollbad seit vielen Monaten!

Am dritten Tag bestand die Herausforderung darin, die gesamte Canyonwand – also 1.200 Meter – wieder hochzuklettern, dabei noch ein nicht unbeträchtliches Stückchen Weg zurückzulegen, und dennoch den letzten Bus nach Arequipa um 11 Uhr Vormittags zu erwischen. Laut Auskunft von Einheimischen wäre das alles in 4-5 Stunden zu schaffen, was wir allerdings bezweifelten. Ein drittes Mal in Folge war daher ein früher Start gefragt, natürlich auch, um einen Großteil des harten Aufstiegs noch im Schatten unterwegs zu sein (Misslungen!). Um 5:00 brachen wir aus unserer runden Strohhütte auf und tatsächlich: nach nur fünf Stunden kamen wir schwitzend, fluchend, schnaufend und mit schmerzenden Waden, dafür aber mehr als pünktlich in Cabanaconde an.

Nach diesen drei tollen Trekkingtagen neigte sich unser etwas mehr, als ein Monat dauernder Aufenthalt in Peru auch „schon“ dem Ende zu. Noch je eine Nacht in Arequipa und in Puno, und wir würden nach Bolivien einreisen – Weltreiseland Nr. 6!