Archiv des Autors: blaueelise

Ko Phangan – Inselalltag

Schöne Buchten, Kokospalmen, einigermaßen weißer Sand, Bambushüttchen mit Hängematten auf der Veranda, badewannenwarmes Meer – Ko Phangan hatte all das zu bieten, wonach unsere müden Knochen sehnlichst verlangten, und so ist es im Nachhinein wenig verwunderlich, dass wir ausgerechnet hier ein bisschen hängen geblieben sind.

Dabei hatte sich unsere Begeisterung bei der Ankunft erstmal in Grenzen gehalten: Die angesteuerte Hat Salad (=“Piratenbucht“) mussten wir uns so kurz vor der Hauptsaison mit nicht gerade wenigen anderen Touristen teilen. Das Publikum schien außerdem hauptsächlich aus etwas besser betuchten Flashpackerpärchen und Familien mit beträchtlicher Arschlochkind-Quote zu bestehen. Auch die Unterkünfte hatten sich an deren Bedürfnisse angepasst und entsprachen somit nicht ganz den unsrigen. Schließlich fanden wir dann doch noch einen einfachen, aber schnuckeligen Strandbungalow zwischen den Bonzenhütten und verbrachten in Hat Salad ein paar schöne und faule Tage. Unser Bewegungsradius beschränkte sich dabei im Wesentlichen auf Hängematte->Restaurant und retour.

Erst dann erwachte in uns wieder langsam die Entdeckerlust. Um dreieuroirgendwas am Tag mieteten wir uns ein Moped und brausten damit auf der Insel herum. Bei einem dieser Ausflüge entdeckten wir ganz im Norden, hinter dem letzten Fischerdorf, eine kleine Bucht, die uns besser gefiel: kaum Gäste, schönerer Strand und liebere Hunde, die – anders als die von den Touristen verwöhnten Tölen in der Hat Salad – das von uns angebotene Frolic nicht verschmähten. Schnell stand fest: Wir ziehen um!

Eine schwarze Hündin schloss sich unserem Rudel an. Wir nannten sie „Anna (Popanna)“, fütterten sie zwei Mal täglich mit allerfeinstem Hundefutter, und so zog sie noch am selben Abend bei uns ein. Als Gegenleistung für Kost und Logis half sie uns im Kampf gegen die aggressive Makakenbande, die die Nachbarschaft unsicher machte.

image

Unser Zuhause in der Hat Khom Bucht: Klein und einfach, aber in unschlagbarer Lage...

image

...direkt am schönen Strand gelegen

image

image

Abends gabs nicht viel zu tun, außer der Sonne beim Untergehen zuzusehen.

image

...und dabei manchmal ein Bierchen zu trinken.

image

Eines Abends – wir waren tagsüber mit dem Moped unterwegs gewesen – kamen wir zurück zum Bungalow und unser Hund wartete, anders als sonst, nicht auf der Terrasse auf uns. Sollte sie vielleicht irgendwo ein besseres Plätzchen gefunden haben? Oder war ihr gar etwas Schlimmes zugestoßen? Wir waren sehr in Sorge und als sie auch am nächsten Tag nicht zurückkehrte, begannen wir nach ihr zu suchen.

In der hintersten Ecke des Nachbarresorts fanden wir dann schließlich eine uns bekannt vorkommende Hundegestalt. Statt uns freudig zu begrüßen bellte uns dieser Hund allerdings verängstigt an, außerdem fiel uns auf, dass dieser zwar vom Gesicht her der Vermissten zum Verwechseln ähnlich sah, aber kleiner, dünner, an einigen Stellen kahl, zerbissen und insgesamt in ganz erbärmlicher Verfassung war. Wie wir später erfuhren, hatten wir Annas Bruder gefunden, der sich hier von Gras und Insekten ernährte und von einem dominanten Hund davon abgehalten wurde, die hinterste Resortecke zu verlassen.

Das ging natürlich gar nicht… Hundefutter hatten wir ohnehin noch im Vorrat, an Annas Wiederkehr glaubten wir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr und so zog Hund Nr. 2 bei uns ein. Schon nach wenigen Stunden wurde klar, was wir uns dieses Mal für eine Verantwortung aufgehalst hatten. Denn das Pelzgesicht war nicht nur sehr bezaubernd und freute sich jetzt des Rudellebens, sondern vertrat auch – im Gegensatz zu seiner pflegeleichten Vorgängerin – wie selbstverständlich die Ansicht, von nun an 24h am Tag mit uns zu verbringen. Er verließ unsere Bungalowterrasse anfangs nichtmal für dringende Bedürfnisse alleine, sodass mehrmals täglich Gassi am Programm stand. Wenn wir schnorcheln oder schwimmen waren, blieb er im seichten Wasser stehen und winselte uns nach. Gingen wir essen, folgte er uns ins Restaurant und legte sich unter unseren Tisch, was die Besitzer gar nicht gerne sahen (aber schweigend akzeptierten). Sogar unserem Moped lief er nach, sodass wir in Sorge um seine Sicherheit nur noch selten ausfuhren.

image

Hund 1 ist verschwunden, aber ein Hund 2 schnell gefunden. Hier in höchster Aufregung ob der Entdeckung dieses scheinbar lebensbedrohlichen Einsiedlerkrebses.

image

Das Pelzgesicht auf seinem Pletzn. Links gut erkennbar: sein Kauknochen und seine eigens besorgte Futterschüssel. Gefüttert wurde angesichts der schlechten Verfassung dieses Patienten nunmehr drei Mal täglich. Damit lagen die Tagesausgaben für ihn fast höher als die unsrigen.

image

Klaus versucht das Pelzgesicht erfolglos zum Schwimmen zu bewegen

image

Nach einigen Tagen guten Futters immer noch nicht gerade mopsig...

Ein derartiges mit Einschränkungen verbundenes Inselleben mag langweilig klingen, aber das war es für uns ganz und gar nicht: Wir lasen viel, schrieben am Blog weiter, gingen auf Makakenjagd (was dem Pelzgesicht jedes Mal enormen Spaß bereitete), machten Spaziergänge und erfreuten uns daran, wie viel lebensfroher unser Adoptivhund von Tag zu Tag wurde.

Wissend, dass das unbeschwerte Rudelleben mit unserer Abreise ein Ende haben würde – zumindest für das pelzigste Rudelmitglied – verschoben wir den Tag des Abschieds mehrmals. Schließlich mussten wir sogar zu einer kleinen Selbstüberlistung greifen, um uns von dieser Insel wegzubringen: Wir vertagten ein letztes Mal die Abreise, buchten aber gleichzeitig für den anvisierten neuen Abreisetag einen nicht stornierbaren Flug nach Borneo, sodass an dem neuen Termin nicht mehr zu rütteln war.

Am 11. Juli gingen wir also nach oben zur Straße (wie immer mit dem Pelzgesicht dicht auf den Fersen), wuschelten noch ein paar Mal durchs nun viel gepflegtere Fell, hüpften in den bestellten Pickup und beobachteten im Rückspiegel, wie der schwarze Hund dem Pickup noch ein kurzes Stück nachlief, bevor er zurückblieb… Wir fühlten uns miserabel und wurden das schon von der mißlungenen Yakbabyrettung (nachzulesen im Annapurna-Artikel) her bekannte Gefühl nicht los, etwas zwar gut gemeint, aber nicht sehr gut gemacht zu haben… Und fassten den festen Vorsatz, uns nicht mehr so kopflos und ungebremst in ein knopfäugiges Pelzgesicht zu verlieben.

image

Letztes Rudelfoto vor der Abreise

Nachtrag:
Hund Nr. 1 war angeblich zum „house of the owner“ gebracht worden, wie man uns erst nach hartnäckigem Nachfragen offenbarte. Wahrscheinlich war sie bei den Bungalows nicht willkommen und daher in unserer Abwesenheit schnell übersiedelt worden. Wir hoffen sehr, dass das „house of the owner“ kein Synonym für Schlimmeres ist…

Wer in naher Zukunft nach Ko Phangan an die Hat Khom fährt, möge bitte nach ein bis zwei schwarzen Hunden Ausschau halten und uns Bescheid geben, ob er/sie wohlauf sind!

Thailands Golfküste

Als Kontrastprogramm zum Annapurna-Circuit flogen wir – nach ein paar Tagen Rast und hemmungsloser Völlerei in Pokhara – weiter nach Bangkok und mieteten ein Auto. Einerseits, um ganz unabhängig von öffentlichen Verkehrsmitteln und Taximafia auf Entdeckungstour zu gehen, andererseits auch um die armen, geschundenen Füße zu schonen, die noch einige Zeit lang zwickten und zwackten nach dieser ungewohnten Belastung. Anscheinend hatten wir es gerade die letzten Trekkingetappen etwas übertrieben…

Mit unserem kleinen roten Gefährt cruisten wir in der darauffolgenden Woche also die Golfküste Thailands entlang Richtung Süden – eine Region, in die sich von ein oder zwei Badeorten abgesehen kaum westliche Touristen verirren. Das ist auch kaum verwunderlich, denn entsprechende Infrastruktur sucht man hier vergeblich.

Wir haben diese Tage trotzdem oder gerade deshalb sehr genossen, wunderschöne buddhistische Tempel besichtigt, Affen geärgert, Hunde gestreichelt, Tropfsteinhöhlen erkundet (und uns in einer sogar verirrt), kleine Einsiedeleien entdeckt, zum Vergnügen einiger Einheimischer die in Südostasien sehr beliebte Durian – auch bezeichnenderweise als Stinkfrucht bekannt – verkostet, und die größten Garnelen unseres Lebens gegessen. Da wir schon mal in der Gegend waren, wurde spontan noch ein Abstecher in die landschaftlich sehr beeindruckende (und an Vietnams Halong Bucht erinnernde) Gegend zwischen Pha Nga und Krabi eingelegt.

image

Endlich wieder mit ein paar PS mehr unterwegs...

image

image

image

image

image

image

image

Omnomnom, lecker Durian!

image

Die verhängnisvolle Höhle, bei der Sonjas Orientierungssinn ausnahmsweise nicht trügte, als sie feststellte: "Du, ich glaub wir gehen im Kreis...".

image

image

image

image

image

Thailands Westküste - Keine Touris, Bungalows zum halben Preis, und kein Monsun in Sicht... Paradiesisch - nur leider mussten wir das Auto an der Ostküste zurückgeben und konnten nicht lange bleiben.

Das Bad im Meer am Ao Tha Len, während die Sonne unterging, und danach die Nacht in der wohl luxuriösesten Unterkunft unserer Reise (für uns nur aufgrund der Nebensaison leistbar, in der die Preise gut verhandelbar sind) war ein würdiger Abschluss dieser reiseintensiven Woche – und nach einem Reifenplatzer am allerletzten Tag waren wir nun wirklich, wirklich reif für die Hängematte auf einer Insel. Und die suchten und fanden wir auf Ko Phangan…

Annapurna-Circuit

Der „Annapurna-Circuit“ – eine Umrundung des über 8000 Meter hohen Himalaya-Massivs der Annapurna, und vorbei an zwei weiteren Achttausendern (Manaslu und Daulagiri) – gilt seit vielen Jahren als eine der schönsten Wanderrouten der Welt. Ob aber wir zwei kleinen Stadtkinder – untrainiert, kaum erfahren, schlecht ausgerüstet, aber wenigstens gut im Futter – dieser großen Aufgabe gewachsen wären, galt es erst festzustellen. Sicherheitshalber haben wir uns entschieden, es entgegen sehr lieb gemeinter Ratschläge ohne Gruppe, ohne Guide und ohne Träger anzugehen, dafür unsere Rucksäcke mit 10 und 15kg viel zu voll zu packen… dumm! Auch der Monsun war bereits im Anrollen, eine Jahreszeit, die mit sintflutartigen Regenfällen, Unwettern, Muren, sogar mit Horden an Blutegeln Trekkern das Leben schwer machen kann.
Eines sei vor unserem kleinen Bericht gleich vorweggenommen: Durch keine Fotos oder bewegten Bilder und durch keine Worte lassen sich die Vielfalt und die atemberaubende Schönheit dieser Landschaft ansatzweise näherbringen. Das muss man erleben!

Unsere Annapurna-Runde in Zahlen und Fakten:
Dauer: 21 Tage
Start: Besi Sahar, Seehöhe 780m
Ende: Birethanti, Seehöhe 1070
Distanz samt aller Side-Treks und Abstecher: ca. 300km
Höchster Punkt: Thorung La Pass auf 5416m
Reine Wanderstunden: 161
In verschiedenen Betten geschlafen: 19
Hunde gestreichelt: 47
Vorabkkosten/Permits: 32€/Person
Unsere laufenden Kosten (Unterbringung, Verpflegung, etc.): 9€ je Person und Tag

Da der schon erwähnte, viel Regen bringende Südwest-Monsun in Nepal mit Juni erwartet wird, und er auch heuer bereits seine ersten Vorboten ausgesandt hatte, beeilten wir uns in Kathmandu und Pokhara alle Vorbereitungen zu treffen und fehlendes Equipment einzukaufen. Das geht in Nepal auch recht einfach und äußerst günstig. Zwar ist die fast geschenkte Billigware auch oft nach wenigen Tagen akuter Materialschwäche erlegen, im Prinzip aber perfekt für Rucksack-Reisende, die naturgemäß ihre liebe Not haben, für Meereshöhen von -20 bis 5500 Meter ausgerüstet zu sein, und von der Taucher- bis zur Gletscherbrille alles dabei zu haben.

Apropo: Das Packen der Trekking-Rucksäcke ist dann schon die erste große Herausforderung… während das Hauptgepäck nämlich zur Aufbewahrung für Wochen in einer Unterkunft zurück bleibt, gilt es buchstäblich abzuwägen, was mit uns in die Berge darf – und damit Platz braucht und auch selbst geschleppt werden muss – so wollten wir das ja haben. Und mit dickem Winterschlafsack und Daunenjacke ist da schon die Hälfte der Auslastung erreicht.

Zumindest auf Zelt/Biwak, Matten und Kocher lässt sich auf Grund einer Besonderheit der Annapurna-Runde verzichten: Trotz ihrer Exponiertheit und Höhe nämlich, lassen sich sämtliche Tages-Etappen so planen, dass man sie in einer der zahlreichen meist kleineren, gelegentlich auch größeren Ortschaften beendet. Und in diesen wiederrum befinden sich sogenannte Teehäuser – traditionelle Herbergen, die – auch schon lange bevor westliche Touristen die Gegend betreten haben – den Reisenden zwar einfache, aber praktisch kostenlose Schlafplätze anbieten. Im Gegenzug sollten Abendessen und Frühstück – davon braucht man während des Trekkens reichlich – in diesen Teehäusern konsumiert werden.

An unserm 4. Tag in Nepal war es dann endich soweit, und wir quetschten uns Frühmorgens in den lokalen Holper-Bus nach Besi Sahar, dem Ausgangspunkt der Annapurna-Runde. Für die ca. 40km Luftlinie braucht der Bus auf Nepals Straßen gute 5 Stunden, entsprechend gerädert erreicht man dann auch den in der subtropischen Zone gelegenen Start der Wanderung zur Mittagszeit, was zu dieser Jahreszeit kurz vor dem Monsun etwa 35 Grad im Schatten und die Luftfeuchtigkeit einer Gewitterwolke vor dem Abregnen bedeutet. Doch da mussten wir jetzt durch. Noch die Permits kontrolliert, die Wasserflaschen gefüllt, unsere 15 und 10kg Last zum erbaulichen Vergnügen der zuvor höflich abgelehnten Sherpas geschultert und los ging es. Und zwar genau 100 Meter weit, zum Glück bergab, um die erste Kurve in den Dschungel, damit außer Sicht und dann die erste Pause… wir konnten nicht mehr 🙂

image

Das erste Foto unserer Wanderung nach 100 Metern. Erschöpfung, Zweifel, leise Panik, und insgeheime Überlegungen, wie wir hier ohne Gesichtsverlust wieder heraus kommen könnten - und zwar möglichst sofort... (keinen Ausweg gefunden, damit blieb nur der Weg vor uns...)

Wir haben uns also weiter geschleppt, die erste, ohnehin nur halbe Etappe noch ein wenig verkürzt und hatten auch die nächsten Tage noch sehr mit der ungewohnten Belastung zu kämpfen. Doch die wunderschöne Route, die uns von nun an hinauf durch die unterschiedlichsten Klimazonen und durch eine mit diesen Zonen stets wechselnde Fauna und Flora führte, entschädigte uns von Beginn an für sämtliche Strapazen und Entbehrungen. Und an diesem Umstand sollte sich für die nächsten drei Wochen bis zu unserer Rückkehr nach Pokhara nichts mehr ändern. Jeder Tag brachte uns einzigartige Erlebnisse, neue Bilder und Eindrücke, neue noch größere Herausforderungen, aber Schritt für Schritt auch ein wenig mehr an Kraft, Routine und Kondition – und ganz nebenbei mit der gewonnenen Höhe auch ein zunehmend angenehmeres und wandertauglicheres Klima.

In der Folge wollen wir nun hauptsächlich ein paar Bilder sprechen lassen…

image

noch grinst sie, zumindest für die Kamera...

image

das hier grinst schon lange nimmer, daher lieber von hinten...

image

immer noch erster Tag, 26. Pause

image

erste Schluchtüberquerung via Hängebrücke. Davon sollten noch viele, teils sehr abenteuerliche Konstruktionen folgen.

image

Am Wegrand mannigfaltigste Gewächse, wie zum Beispiel tausendfach dieses hübsche Exemplar... wäre aber wohl die falsche Wegzehrung für unsere müden Knochen... 😉

Aber auch viele bekannte, wie auch exotische Tiere warteten an diesen Wegesrändern, und für die können wir uns ja immer sehr begeistern – insbesondere für die jüngsten unter ihnen…

image

image

image

image

und diese unglaublich geländegängigen Tiere sorgen hier für Lasten- oder notfalls auch Menschentransporte.

Stets bergan ging es, zunächst nach Norden, dann nach Nordwest, das Marsyangdi-Tal empor in Richtung des Thorung La Passes auf 5.416 Metern, der uns auf die westliche Seite der Runde, ins Kali-Gandaki-Tal bringen sollte, das unter anderem die tiefste Schlucht der Welt ist (zwischen den nur 30km voneinander entfernten und über 8000 Meter hohen Gipfeln von Dhaulagiri und Annapurna).

image

image

image

image

image

image

image

Immer mehr wurden beim Anstieg Land und Leute vom tibetischen Buddismus geprägt. Gebetsmühlen, Chörten (spitze, hohe Türme aus Lehm oder Stein an den Dorfeingängen), Tempel und die charakteristischen bunten Gebetsfahnen allenortens.

image

image

image

Die von uns angestrebte Höhe von 5.500 Metern brachte die Notwendigkeit einer anständigen Akklimatisation mit sich. Die Höhenkrankheit ist die wohl größte Gefahr bei derlei Unternehmungen und die Ursache für zahlreiche, oft tödliche Unfälle. Da wir genügend Zeit hatten, und uns hier oben ohnehin zunächst gehörig die Luft weg blieb, wollten wir die empfohlene Akklimatisationszeiten und -höhen (drei Übernachtungen über 3.500 Meter, sowie eine maximale Aufstiegsgeschwindigkeit von ca. 500 Meter pro Tag) großzügig übertreffen. Wir planten also ein paar Extratouren ein, zunächst ein Tagesausflug zum „Icelake“ auf 4.600m, danach eine 3tägige, anspruchsvolle Wanderung zum wunderschönen „Tilicho Lake“ auf 5.000m, einem der höchstgelegenen Seen, der einer beeindruckenden Bergkette von 7.000m-Gipfeln vorgelagert ist. Diese beiden Touren sollten mit zu den landschaftlich beeindruckendsten Tagen unserer Tour zählen.

image

das wunderschön gelegene Bhraka (3470m), Ausgangspunkt unseres Abstechers zum Ice-Lake

image

Auf genau 4000m (nebenbei für uns beide eine kleine Premiere) dann endlich die ersten Yaks samt der sie begleitenden Nomaden. Die erste Sichtung führte noch zu mittelstarken Panikreaktionen (Deckungsuche, Bewaffnung, Adrenalin, das ganze Programm), da wir das pelzige, grunzende Ungetüm zunächst für einen Bären gehalten hatten. Jaja, die Höhenluft...

image

Auch Yaks haben süße Kinder. Einen Ausreißer haben wir im Versuch, seine verlorene Mutter zu finden sogar den Berg hinauf getragen. Das ging bei sommerlichem Sonnenschein auf dieser Höhe aber gar nicht lange gut. Folge: Yak-Mama nicht gefunden, Yak-Kind noch ver(w)irrter, und selber beinahe kollabiert. Schon wieder dumm!

image

Völlig atemlos und nachhaltig erschöpft endlich oben am Icelake (kein Eis im Juni) auf ca. 4.600m, im Hintergrund die Gipfel und Nordflanken von Annapurna III und Gangapurna (beide etwa 7.500m)

image

... und nochmals der Icelake mit uns. Nach dem nicht enden wollenden Abstieg waren wir dann am Ende des Tags übrigens so erledigt, dass der daran völlig unschuldige See von uns lange Zeit nur noch als 'Scheißlake' bezeichnet wurde.

image

Auf dem Weg nach Khangsar, der ersten Station zum Tilicho Lake

image

Eine ungewöhnliche Pforte auf 3.800 Meter.

image

Der legendäre und wunderschöne Tilicho-Lake auf 5.000m, noch halb zugefroren.

image

Und noch einmal vom Ostufer aus. Dahinter die berüchtigte 'Grande Barriere' mit ihren zahlreichen 7.000-Meter-Gipfeln. Sie hat ihren Namen 1950 erhalten, als sie eine französische Expedition unter der Führung von Maurice Herzog daran hinderte, einen schnellen Erfolg bei der ersten Besteigung eines 8000er zu erzielen. Da gab's kein Drüberkommen. Gelungen ist ihnen die Besteigung der Annapurna auf anderem Wege dann schließlich doch, aber dies ist eine andere spannende Geschichte...

Am zwölften Tag – nach zwei Tages-Touren auf über 4.500 Meter und mittlerweile schon fünf Nächten über 3.500 Meter – fühlten wir uns ausreichend, ja fast schon vorbildlich akklimatisiert und wagten den zwei- bis dreitägigen Aufstieg zum Pass. Das Atmen fiel uns in großen Höhen auch schon bedeutend leichter und damit natürlich auch das Wandern. Man glaubt vorher nicht, wie schwer die Rucksäcke hier werden können, und wie anstrengend jede Bewegung sein kann, insbesonere bergauf zu steigen (und Yaks zu tragen, wie schon erwähnt. Die Königsdisziplin daher: Yaks bergauf tragen…).

Als besonders anstrengend gilt der Tag der Passüberquerung auch darum, weil man es im Anschluss an den mühevollen letzten Aufstieg – meist im tiefen oder rutschigen Schnee – auf der anderen Seite auch wieder ein sehr weites Stück in die erste Ortschaft hinunter schaffen muss: Nach Muktinath nämlich, und das liegt bereits auf 3.760 Meter – also nicht enden wollende 1800 Höhenmeter hinab mit ohnehin schon müden Beinen.
Anreiz und Belohnung nach dieser Tortur: Der Tempel von Muktinath, eine der heiligsten Pilgerstätten von Hindus, aber auch Buddhisten, mit einer heilenden, die Sünden reinigenden und postmortale Erlösung bringenden Quelle, brennendem Wasser und anderen kleineren Wundern. 

image

Upper Khangsar - schön und exponiert gelegen. Aber als wir hier um Tee und eine Jause bitten wollten, hausten nur noch Tiere in den Häusern.

image

Aussicht von einem Hügel hinterm Thorung La Highcamp auf etwa 5.000m. Dieses Camp ist die letzte zugige Unterkunft vor dem Pass. Zu wenige Menschen und zu wenig Holz, um ein Feuer zu machen. Abendessen daher mit Daunenjacke, Schlafen mit dicker Wäsche in ebensolchen Schlafsack, aber hier überhaupt noch ein Abendessen zu bekommen ist schon ein kleines Wunder. Danke Mauleselchen! Morgen ist es endlich soweit!

image

Wir sind seit zwei Wochen unterwegs. Der letzte Anstieg zum Pass - davon lieber nur ein Schattenriss. Jeder Schritt ein kleiner Kampf. Und dann plötzlich, früher und schneller, als wir befürchtet hatten, ist es geschafft!


image

Passüberquerung sehr gut überstanden


image

Passüberquerung knapp überstanden

image

Passüberquerung nicht ganz überstanden

image

Und nochmals - Nach ein wenig Erholung sehen ja alle Überlebenden wieder recht gut aus... naja...

image

Nach dem langen und mühevollen Abstieg die Gebetsmühlen von Muktinath

image

Einer der vielen kleinen Tempel im Tempelbezirk von Muktinath

image

Und hier ist sie nun, die erwähnte heilige Quelle. Scharen von Indern pilgern Tag für Tag hierher, um ein Bad zu nehmen und sich eine Plastikflasche 'Quellwasser to go' für die kranke Verwandtschaft zu Hause mitzunehmen. Wer sich eine solche Pilgerfahrt aber nun so ähnlich vorstellt, wie das, was wir gemacht hatten, der irrt gewaltig: Praktisch alle fliegen von Delhi nach Pokhara, von dort mit Kleinflugzeugen weiter ins Gebirge nach Jomsom, und werden von da mit Jeeps die neue Piste nach Muktinath hochgekarrt. Die überwiegende Mehrheit - das ist jetzt kein Witz - lässt sich dann noch von Mopeds den 5-Minuten-Pfad zum Tempelportal bringen. Zurück gehts, um die erwähnte Plastikflasche bereichert auf dem selben Weg. Wir hoffen, die hier Angebeteten (Vishnu im Falle der Hindus und Avalokiteshvara, die 8. Reinkarnation Buddhas, im Falle der Buddhisten) freut's und lassen den Tempel und den ihn umgebenden Trubel rasch hinter uns...

Nun waren wir also auf der anderen Seite, die höchsten Punkte unserer Tour lagen hinter uns. Im Tal des Kali Gandaki, sollte es nun langsam, aber konstant hinunter gehen, mit einer letzten großen Bergetappe auf den „Poon Hill“ (3200m), der für seine fantastische Aussicht bekannt ist. Der mächtige, pyramidenförmige Dhaulagiri, 7.-höchster Berg der Welt, sollte hier unser steter Begleiter sein.  
Bislang hatten wir für diese Jahreszeit mit dem Wetter riesiges Glück gehabt, doch nun waren die Auswirkungen des eintreffenden Monsuns endgültig zu spüren. Durch Gewitterregen mussten wir zwar nur gegen Ende der Tour das eine oder andere Mal,  jedoch waren der Himmel und damit auch die herrlichen Ausblicke auf die uns umgebende Bergwelt oftmals von Wolken verhangen. Nur in den frühen Morgenstunden konnten wir mit klarer Sicht rechnen, eine Tageszeit, die wir ohnehin von Beginn an zum Wandern nutzten, da wir meist schon zwischen 19:00 und 20:00 völlig erschöpft in unsere Lager fielen. Ohnehin gab’s weiter oben meist keinen Strom und damit auch kein Licht.
Je weiter hinab wir nun kamen, um so mehr Leute waren unterwegs – sowohl Einheimische und Händler – das Kali Gandaki-Tal war von jeher eine frequentierte Handelsroute zwischen Indien und Tibet und zahlreiche größere Ortschaften waren entstanden – als auch von Touristen, die diese Seite der Annapurna für verschiedene kurze Trekks nutzten. In den ersten beiden Wochen hatten wir dagegen totale Einsamkeit genossen, trafen an manchen Tagen keinen einzigen anderen Trekker – das hatten wir mehr gemocht.

image

Die Festung von Jhong am Weg nach Kagbeni

image

Die wunderschöne Stadt Kagbeni hat uns sehr begeistert. Hohe Steinmauern, versteckte Plätze und verwinkelte Tunnelgassen schützen die Bewohner vor den starken, oft orkanartigen Aufwinden, die täglich ab spätestens Mittag wie in einem Kamin von Süden, durch das Tal und das Königreich von Mustang hinauf auf das Hochplateau von Tibet pfeifen.

image

Auf dem Weg nach Marpha. Im Hintergrund stets der Dhaulagiri.

image

Nochmals. So schön und live äußerst gewaltig.

image

eines dieser unzähligen 'Puzzle'-Motiv-Bilder

image

Durch einen Märchenwald...

image

...und über eine Märchenwiese

image

Vor ein paar Jahren haben sie eine Straße für Jeeps das gesamte Kali Gandaki hoch gebaut. Fünf Minuten bevor wir hier durchwollten hat ein Hangrutsch sie einfach fortgerissen. Mit einiger Mühe konnten wir, während mehr und mehr Leute zusammenliefen, noch drüberkraxeln. Aber mit Autofahren ist jetzt für einige Zeit wieder Schluss.

image

Und somit werden die Hendln auch hier nun wieder so transportiert...

image

Für unsere Tiersammlung. Neu in diesem Tal: Wasserbüffel

image

Zum Abschluss der Tour, am 21. Morgen, der Sonnenaufgang vom erwähnten Poon-Hill. Leider die Sicht nicht mehr optimal.

Danach raubt uns die finale Etappe – 2200 Meter bergab in wieder zunehmend tropischer Luft – unsere gesamte Kraft. Zurück in Pokhara schleppen wir uns, obwohl völlig erledigt, zuerst in eine uns bereits auf über 5000 Meter empfohlene Pizzeria – das war so ausgemacht. Ein eiskaltes Bier aus einem eisgekühlten Glas, dazu eine tatsächlich ausgezeichnete Pizza (Sonja: Die allerbeste überhaupt jemals). Davon hatten wir da oben hin und wieder geträumt. Und der erste Biss und der erste Schluck schmecken so, wie diese gesamte Annapurna-Runde war: Einfach unbeschreiblich großartig!

Kurzbesuch in Kathmandu

Den Abflug aus Wien traten wir nicht im allertaufrischesten Geisteszustand an: die letzten beiden Tage waren wir intensiv mit den Vorbereitungen beschäftigt und Stress und Aufregung ließen uns kaum (Sonja) bzw. keinen (Klaus) Schlaf finden. Nachtrag der Kapitänin: Klaus möchte an dieser Stelle angemerkt haben, dass er überhaupt nicht aufgeregt, sondern nur gestresst war.

image

Bei der Abreise noch schnell ein hektischer Schnappschuss

Einen Teil des Schlafdefizits konnten wir dann praktischerweise gleich im Flugzeug nachholen. Nachderm wir beim Landeanflug geweckt wurden, klebten wir schon kurz darauf beide begeistert mit dem Gesicht am Fenster, um vielleicht einen ersten Blick auf das Annapurnamassiv zu erhaschen, und tatsächlich ragte es über die Wolkendecke hinaus. Sogar den über 5400m hohen Pass zwischen den beiden 8000ern konnten wir ausmachen. Noch ganz unglaublich, dass wir da in Kürze zu Fuß drüberwollen…

image

Bei der Ankunft in Kathmandu fühlten wir uns fit genug, um mit den Taxifahrern gehörig zu feilschen, auf der Fahrt zum Hostel sämtliche strizzihaften, nennen wir sie mal Cross-Selling Ambitionen („You know, I am a guide too“ – klar doch) charmant abzublocken, und uns sogar schon ins Stadtgetümmel zu begeben.

Und Getümmel ist hier noch ein Euphemismus: Kathmandu ist laut, voll, hektisch, schmutzig, exotisch, aufregend, und trotz einiger Parallelen zu anderen südostasiatischen Metropolen doch ein Erlebnis für sich, was vor allem mit dem Hinduismus zusammenhängt.

image

image

image

image

image

Heute hätten wir uns gerne weiter die Stadt angesehen, aber die Vorbereitungen für unseren Trek haben den ganzen Tag in Anspruch genommen. Morgen geht es erstmal weiter nach Pokhara.

Weltreiseplanungsfinale mit Hindernissen

DSCN5392Irgendwann zwischen Ende Mai und Anfang Juni sollte es eigentlich losgehen. Für die ersten beiden Monate –  bevor wir nach Südamerika weiterfliegen wollten – hatten wir uns ein etwas ungewöhnliches Weltreiseziel vorgenommen: einen Road Trip zum Nordkap mit Auto, Zelt, Boot und Angelausrüstung. Die Einsamkeit Lapplands, die wunderschöne Landschaft und die Nordlichter hatten uns bereits 2012 schwer begeistert sodass Norwegen, Schweden und Finnland schnell zu einem Fixpunkt unserer Planungen wurden – eine Reiseetappe, auf die wir uns ganz besonders gefreut hatten.

Leider machte uns ein Defekt des Autos vor ein paar Tagen einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Mit dem Auto konnten wir also nicht los, ein Mietwagen für eine so lange Zeit im ohnehin recht kostspieligen Skandinavien war uns dann doch zu teuer. Gleichzeitig war der Flug von Wien nach Ecuador für Anfang August bereits gebucht, sodass genau für 2 Monate ein Ersatzprogramm her musste, und zwar ein gutes, und das schnellstmöglich.

Also wurden wieder Reiseführer gewälzt, Alternativen auf Reisezeit und Budgettauglichkeit geprüft, und schließlich ein Plan B für die ersten beiden Monate ausgeheckt: es soll nach Asien gehen – Trekking in Nepal und im Anschluss ein paar (je nach Zielland mehr oder weniger) entspannte Wochen in Thailand, Malaysien oder Indonesien. Den Abreisezeitpunkt haben wir aufgrund der beginnenden Regenzeit in Nepal auch nach vorne verschoben –  am 23. Mai fliegen wir bereits los. Wir sind ein wenig traurig wegen Skandinavien, aber freuen uns auf der anderen Seite auf Nepal und Südostasien – und alles, was danach noch kommt!